Analysiere mein Herz und sag‘ der Welt wer ich wirklich bin

Gestern wurde bekannt, dass Apple Patente zur Sicherung ihrer Mobilgeräte eingereicht hat, die unter anderem zur Identifizierung des Benutzers, die Herzfrequenz aufgreifen bzw. abgleichen sollen. Ob diese Sicherheitsmerkmale jemals zum Einsatz kommen werden steht nicht fest, dennoch kann man es als ein klares Zeichen von Apple verstehen. Einer der Punkte, die mit dieser Sicherheitssperre möglich wären, wäre die klare Unterbindung von Jailbreaks und anderen ‚unrechtmäßigen Verfahren‘ zur Überwindung der internen Systemsperren.

Doch was bedeutet beispielsweise die Identifikation der Herzfrequenz für uns? An sich ist es kein Problem, geht man davon aus, dass jeder Mensch sowieso auf der Erde lebt und so sich permanent selbst zur Schau stellt. Doch möchte man wirklich alle seine Daten veröffentlichen? Die Argumentation liegt natürlich nahe, dass diese Daten nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Doch wir wissen alle, dass zu gegebener Zeit und Situation alle Daten irgendwie verfügbar werden.

Die Herzfrequenz ist individuell, wie es die Iris auch ist. In der Medizin wird zur Identifikation auch das Gebiss herangezogen. Genau genommen könnte man auch sagen, wenn man alle Menschen öffentlich in einer Datenbank sammelt, kann sich auch niemand verstecken und muss sich niemand verstecken. Doch wozu sollte man seine Daten sozusagen aus der Hand geben? Warum sollte man selbst gläsern werden wollen? Möchte man selbst noch mehr zum Werbeinstrument, zum Probanden oder zur angreifbaren Person ohne individuelle Mechanismen werden?

Es gibt bereits übergreifende Systeme, über die sich Ärzte unabhängig der Krankenkasse austauschen können. Der Vorteil liegt da drin, dass jeder Arzt über die ID einen direkt Zugriff auf alle Daten des Patienten hat ohne aufgrund von Informationsmangel die falschen Schlüsse zu ziehen oder zu lange für ein Behandlungsverfahren warten muss sowie der Patient selbst Einblick auf seine Daten hat. Doch es liegt ebenfalls nahe, dass gerade große Werbekonzerne an diesen persönlichen Daten interessiert sind, oder eben beispielsweise auch die Pharmaindustrie, kann sie sich die Werbung für die breite Masse sparen und direkt auf den Kunden ohne Umwege zugehen. Klingt verlockend, doch Umfragen machen am Telefon auch keinen Spaß, kann man noch so viel gewinnen.

Der Mensch wird in Zukunft gläserner. Die Deutschen sind noch ein Volk, das mit dem Datenschutz die meisten Bedenken hat (siehe der Streetview-Diskussionen, wenn ich dazu auch stehe, dass die direkte Privatsphäre hinter der Haustür anfängt). In anderen Ländern kann beispielsweise jeder von jedem das Gehalt öffentlich einsehen. In anderen Ländern werden Straftäter öffentlich in einer Map eingetragen und vorgeführt, haben sie ihre Strafe im Sinne einer Strafe auch abgegolten. Ich möchte jedenfalls meine derart persönlichen Daten keinem Elektronikkonzern zu seiner und nicht meiner Sicherheit zur Verfügung stellen. Lieber verzichte ich auf ihre Technologie und auch auf Geräte, die ich trotz meines Erwerbs nicht selbst verändern darf um sie folgend weiter zu betreiben.

Informationen zu den Patenten: Heise, US-Patent-Amt

  • Chrissy

    Also: Adresse, Name, Alter okay!!!
    Krankenakte, Strafakte, Gehaltsliste -> klares NEIN.

  • hmmm ich bin gespannt was daraus wird und vor allem ob wir uns in Sachen Datenschutz bald ähnlich verhalten werden wir das Ausland.

    Irgendwie geht mir das alles doch ein wenig zu weit….