BP Deepwater Horizon: Das Ende?

Vor rund zwei Wochen erstellte ich entsetzt den Artikel BP Deepwater Horizon: Zahlen gegen die Natur und rechnete euch die aktuellen Zahlen in möglicherweise besser zu verstehende Einheiten um. Das ist natürlich ziemlich aus der Luft gegriffen, wer kann sich schon eine Kette an Volvic-Flaschen vorstellen, die fast 93% des Umfangs der Erde entspricht. Doch jetzt kommt es noch ein wenig dicker. Nicht dass das Bohrloch nun gestopft zu sein scheint – dass ist schließlich toll, viel mehr dass eine neue Studie veröffentlicht wurde, die die ausgetretene Ölmenge sowie die abzusehenden Kosten für BP beziffert.

So kommt die neueste Studie zu dem Ergebnis, dass 780 Millionen Liter Rohöl aus dem Bohrloch ausgetreten sein sollen. Man geht ebenfalls davon aus, dass der britische Konzern etwa 13 Milliarden Euro Strafe bzw. Gebühren für Verschmutzung, Reiniging etc. bezahlen muss. Hört sich natürlich erst mal viel an (ist schließlich auch eine ganze Menge Geld), doch hat BP alleine im Geschäftsjahr 2009 einen Gewinn von 10,5 Milliarden Euro bei einem Umsatz von rund 181 Milliarden Euro eingefahren. An der Börse sieht es natürlich nicht mehr ganz so prima aus, wobei anzumerken ist, dass es eindeutig wieder aufwärts geht, wie ihr in diesem Chart sehen könnt.

Doch was bedeuten die 780 Millionen Liter Rohöl und 13 Milliarden Euro nun überhaupt? Okay, man hat die größte Ölkatastrophe der Welt erschaffen, hunderten von Fischern ihrer Lebensgrundlage beraubt und etliche noch gar nicht abzuschätzende Tiere getötet sowie langfristig mit großer Wahrscheinlichkeit ein Ökosystem (wenn nicht sogar weltweit) durcheinander gebracht, doch am Ende kostet es eben nur ein paar Jobs, Geld, Einträge in die Geschichtsbücher und ansonsten ist’s dann auch wieder, ja, eben Okay.

Aber was bedeutet es nun wirklich? Auf die getöteten Tiere, Tierarten und abzuschätzenden zukünftig damit ausgerotteten Tierarten kann ich leider nicht eingehen, damit kenne ich mich schlichtweg nicht tiergreifend genug aus. Doch mit diesen 780.000.000 Liter Rohöl (gute Qualität vorausgesetzt) hätten beispielsweise 362.141.730 Liter Benzin, 170.856.611 Liter Diesel/Heizöl, rund 76.142.620 Liter hochwertiges Kerosin, rund 42.714.152 Liter Industrieöl (Schiffe etc.), rund 35.285.604 Liter Flüssiggas (LRG), ebenfalls rund 35.285.604 Liter leichte Gase (zB. Methan, Ethan, Ethen, Butan, Butene, Propan und Propen), rund 33.428.467 Liter Koks, 24.142.782 Liter Asphalt, rund 22.285.645 Liter Material für die Chemieindustrie, 9.285.685 Liter Schmierstoffe, rund 3.714.274 Liter Kerosin und rund 5.571.411 Liter andere Stoffe produziert werden können. Wohlgemerkt alles zusammen, nicht jeweils! (Berechnungsgrundlage; 1 Oil Barrel = 42 US Gallon = 158,987 Liter; 1 US Gallon = 3,7854 Liter.)

Geht man jetzt einfach mal von einem Auto mit einem Durchschnittsverbrauch von 8 Litern Benzin auf 100 Kilometer aus, könnte dieses Auto mit der Spritmenge rund 45.267.716 Kilometer zurücklegen. Oder rund 59 mal zum Mond und zurück ‚fahren‘ (bei mittlerer Entfernung zum Mond mit 384.401 km). Anders gesagt könnten 5.000 PKWs mit dem angegebenen Durchschnittsverbrauch rund 9.053 Kilometer durch die Gegend fahren (und würden dabei übrigens bei 150g/km rund 6.790 Tonnen CO2 ausstoßen). Okay, oder 1.000 PKWs mit einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 km könnten mit der Spritmenge gut 3 Jahre ihrer Bestimmung nachgehen. Übrigens könnte man mit dem Benzin auch 2.586.726 übliche Badewannen (140 Liter) füllen oder hätte gleich 5.571.428 Badewannen nur mit dem Rohöl abfüllen können. Oder eben 520.000.000 Flaschen Volvic (1,5 Liter). Diese hätten dann nun immerhin auch zu 104 % um die Erde gereicht. Aber ihr kennt sicher auch diese großen, verzinkten Stahl-Müllcontainer mit 1.100 Liter Füllmenge, die gerne an Plattenbauten oder in Betrieben stehen (gibt’s auch aus Kunststoff). Davon könnte man auch rund 709.091 Stück mit dem Rohöl oder wahlweise 329.220 Stück mit Benzin füllen.

Noch mehr Zahlenspiele: Mit dem Rohöl könnte man 3,12 Milliarden 0,25-Liter-Red-Bull-Dosen (2009 wurden weltweit rund 3,9 Milliarden Dosen Red Bull aller Größen produziert), 65 Millionen 1-Liter-Cola-Kisten (12×1 Liter), 156 Millionen 5-Liter-Bierfässer, 2,36 Milliarden 0,33-Liter-Dosen (üblicherweise 2.376 je Europalette, sprich 995 Millionen Paletten), 14,2 Millionen 55-Liter-Autotanks oder den größten Pool der Welt San Alfonso del Mar in Algarrobo mit über einem Kilometer Länge mehr als 3 mal abfüllen.

Wichtig zu erwähnen ist aber noch, dass man das Bohrloch nach der Deckelung nun schon mit Schlamm füllen konnte und mit der oberseitigen Befestigung mittels Beton beginnt. Anschließend werden seitlich weitere Bohrlöcher dem versiegelten Bohrloch zugeführt, die weiteren Schlamm sowie Beton als Befestigungsmaterial zur Unterseite und grundsätzlichen Stabilisierung sowie langfristigen Abdichtung der Bohrstelle beitragen sollen (Bottom-Kill). Aber vor den Küsten Amerikas wird bereits wieder gebohrt, wenn auch nicht in dieser Tiefe. Doch das ist nur eine Frage der Zeit. Solange man Geld aus dem Boden holen kann und oben der Umwelt zuführen vermag, solange wird gebohrt und gepumpt. Egal wo, egal wie, egal was passiert.

Ach ja, die 13 Milliarden Euro entsprechen umgerechnet rund 16,67 Euro pro Liter Rohöl in der Natur. Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, ob er nun weiterhin mit gutem Gewissen beispielsweise bei Aral tankt und Schmierstoffe von Castrol verwendet. Ich würde drüber nachdenken, denn ich kaufe für meinen Teil wissentlich auch keine BenQ-Produkte mehr. Schließlich muss man nicht jeden Irrsinn unterstützen, nur weil man es so einfach wie möglich haben möchte und weil der Kopf gerne sagt ‚Ich kann daran sowieso nichts ändern‘.