Cpt. Spacklovnica auf großer Reise

Wieder so ein Tag, ein Tag den man am liebsten schon anders begonnen hätte. Die Nacht fing doch so gut an, mit viel Gequatsche, jeder Menge Spaß und einem Kuss. Der Morgen war eher ein Ringen mit der Schlummertaste und der Überwindung doch aufzustehen, weil man ja sowieso schon wach wäre. Was soll’s also, ins Bad unter die heiße Dusche geschleppt. Entspannen und Energie tanken.

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Auf den Weg zur Arbeit gemacht, in der Serienjunkies-iPhone-App nach Neuigkeiten gestöbert und bei einem Artikel über The Big Bang Theory hängengeblieben. Passte von der Zeit auch bis zum Umstieg. Dort das übliche Warten, Augenkontakt mit der attraktiven Musikerhörerin halten, Autos beobachten und darauf warten dass die 101 endlich mal auftaucht. Da kam sie endlich und ich nahm meinen gewohnten Platz in der ersten größeren Sitzgruppe ein (mich juckt das nicht ob ich vorne oder hinten sitze). Wieder das iPhone aus der Bauchtasche am Kopfhörer-Kabel rausgefischt und die Focus-App geladen.

Bang! Handy aus. Was denn nun los? Ein Wiederbelebungsversuch zeigte mir auf dem Display an, dass der Akku wohl am Ende sei. Verdammt, wieso ist das Teil auf einmal leer, wo der Füllstand eben noch bei 3/4 lag. Kopfhörer aus den Ohren ziehen, Kabel aus dem Handy und ab in die Bauchtasche damit. Schon fing es an, blödes Gelaber von mir unbekannten Personen, die mich weder anmachen noch mich ihre Themen interessieren. Warum müssen sie nur Quatschen, sie sehen doch das ich auch nichts sage. Verdammt.

Es waren wohl drei Berufsschulschülerinnen, die meinten mich würde es auch nur im geringsten interessieren welchen Lehrer sie blöd fänden, welche langweiligen Ausreden sie sich für heute einfallen ließen und was sie mit ihren Kröten im Netto um die Ecke noch zu trinken kaufen wollen. Zu allem Überfluss packten sie dann auch noch ein Thema aus, was ich ja gar nicht leiden kann: Schwänzen. Wenn man schon so hohl ist und sich den Tag mit derartigen Belanglosigkeiten füllen muss, dann sollte man doch lieber seinen Blödarsch in die Lehrstätte schaffen. Vor allem wenn man ohnehin auch noch so hässlich ist, das man auch ohne Bildung nichts reißen könnte.

Ich fing an sie zu ignorieren, zählte Ampeln, dachte an den letzten Abend und guckte mir Beifahrerinnen beim Warten an der Kreuzung an. Ich grinste zum Fahrer und überlegte über welches Thema ist mein nächstes Quartet fotografiere. Nur noch zwei Haltestellen dann würden sie aussteigen. Inzwischen die Haltestelle am Burbacher Bahnhof angefahren. Es steigt ein leicht runder, unrasierter Typ mit Fubu-Pulli und versifftem Eastpak-Rucksack ein. Ich schätze ihn auf 18, vielleicht auch 19. Er geht an mir vorbei und ich denke nur „Geh an dein Handy, das klingelt, Spacko!“.

Doch sein Handy klingelte nicht, er hatte wohl die MP3-Player-Funktion über den integrierten Lautsprecher gefunden und meinte jetzt die Mitreisenden und vor allem mich mit seinem bescheidenen Hip-Hop-Rap-Gedöns unterhalten zu müssen. Mich unterhielt es, sehr sogar. So sehr dass ich ihm mal einen grimmigen Blick über die Schulter zuwarf. Er guckte mich an, drehte dann sein Gesicht weg. In meinem Kopf wuchsen gerade unschöne Anglizismen zu einem Gedicht heran und ich wartete nur auf den Moment dass er entweder sein beknacktes Handy ausmacht, aussteigt oder ich ihm das Teil eigenhändig in viele Einzelteile zerlege. Er entschied sich für die, für ihn beste Variante und stieg schon gleich samt der anderen Nervbacken aus.

Endlich wieder Ruhe, kein morgendliches Dummgeschwätz, keine nervtötenden Handy-Beatbox-Spacken und keine Menschen die meinen ihnen Unbekannte in ebenso unwichtige Gespräche einbinden zu müssen. Dafür jetzt wieder eine mir bekannte Mitfahrerin. Sie bringt wohl ihre zwei kleinen Mädchen zum Kindergarten oder zur Grundschule. Sie sieht verdammt toll aus, doch sehen wir uns immer nur zwei Haltestellen, dann muss ich leider raus. Was sie wohl denkt? Jedenfalls labere ich ihr keine Frikadelle an die Backe.

Da freut man sich doch schon auf den Weg nach Hause. Hoffentlich heute auch wieder mit tollen anderen Gästen wie gestern, zufällig abtastenden Händen und bezaubernden Blicken der Tasterin, während sie Omis nur verschämt die Blicke ins Weite suchen. Ob ich ihnen wohl auch auf den Nerv gehe? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber wenigstens leise.

  • :D Auch stille Starrer und Beobachter können überaus nervig sein ; )

  • Bin ich froh, dass ich zwar leider nicht unsichtbar aber meine Blick dies bestenfalls sind. Außer es soll anders sein. ;)