Der eigene kleine NAS-Server / Media-Server

Zurzeit sind NAS-Server auch in privaten Haushalten ziemlich beliebt. Meistens allerdings mit nur einer Festplatte, dementsprechend kein RAID-System oder zwei Platten die dann im RAID-0 laufen. Ziemlich unschick, aber wenn man halt nur ein paar unwichtige Files zwischenlagern will. Dazu kommt, dass immer mehr Leute sich Media-Server bzw. einfache PCs ins Wohnzimmer stellen, von denen sie dann ihre Filme, Dokus usw. auf den Fernseher übertragen.

Ich beschäftige mich heute einmal damit, wie ihr euch selbst einen tollen, kleinen Home-Server aufbauen könnt, der zum einen sehr erweiterbar und zum anderen für viele Zwecke genutzt werden kann. Mir ist hierbei vor allem die Nutzbarkeit, Erweiterbarkeit und für den Heimbetrieb (oder auch in kleineren Firmen-Netzwerken) auch die Performance im Vergleich zum Preis wichtig. Ich werde im Folgenden einige Komponenten nennen, mit denen ihr euch ein feines NAS-System bzw. Media-Server aufbauen könnt. Natürlich sind die Komponenten dabei variabel, deswegen sind es nur Empfehlungen. Gerade bezüglich der Preise solltet ihr vor einer Bestellung den Artikel einfach noch mal zum Beispiel durch Idealo & Co. jagen, wenn ihr ggf. jeden möglichen Euro sparen möchtet.

Okay, vorab zur Software: Ich gehe am liebsten von FreeNAS aus. Das Linux-System ist kostenfrei verfügbar, funktioniert auf 64-Bit-Basis super und lässt sich auch als Media-Server nutzen. Alternativ kann man sich je nach KnowHow und Belieben natürlich auch bspw. Windows 8 (Pro) auf das System knallen. Oder Ubuntu, oder, oder, oder…

Ich gehe von einem System aus, dass im Idealfall mit vier 3,5-Zoll-Festplatten im Software-RAID verwendet wird. Alternativ folgt weiter unten noch ein eigenständiger RAID-Controller mit eigenem Prozessor, um die CPU auf dem Mainboard zu entlasten. Das System funktioniert natürlich auch mit zwei anstatt vier Festplatten und auch mit 2,5-Zoll- anstatt 3,5-Zoll-Festplatten, was noch einmal Strom spart und weniger Wärme produziert. Das Mainboard gibt hierbei RAID 0 („Striping“), RAID 1 („Mirroring“) und JBOD („Just a Bunch Of Disks“) her, was mindestens für ein Windows-System relevant ist.

 

1. Mainboard, Prozessor und Grafik
Mir ist es wichtig, dass die CPU direkt im Mainboard-Kit enthalten ist und dieses ebenfalls eine Grafik-Einheit mitbringt. Dazu achte ich noch darauf, dass das System hierbei passiv gekühlt ist, damit keine unnötigen, kleinen Lüfter auf dem Mainboard verwendet werden.

ASUS E45M1-M Pro (Infos bei ASUS)
AMD-E-450-Prozessor (1,65 GHz, Dual-Core, 64 Bit, TDP 18 Watt); ATI Radeon HD 6320 Grafik; 2x USB-3.0; 5x SATA III etc.

 

2. Arbeitsspeicher (RAM) und WLAN (Optional)
Das Micro-ATX-Board von ASUS kann DDR3-1066- und DDR3-1333-RAM im Single-Channel im DIMM-Format verwenden. Wem der Gigabit-Port nicht reicht, kann günstig einfach einen WLAN-Adapter an eine der vier USB-2.0-Anschlüsse stecken. Alternativ gibt es auch WLAN-TV-Adapter, hier muss man aber nach seinem jeweiligen TV-Modell gucken (oder halt HDMI benutzen).

2x 4 GB – Corsair CMV8GX3M1A1333C9

ASUS USB-N13 WLAN-USB-Stick

 

3. Festplatten
Bei den Festplatten gibt es viele Möglichkeiten. Jedoch gibt es hierbei immer ein paar Dinge zu beachten: Eine 3,5-Zoll-Festplatte produziert mehr Abwärme als eine 2,5-Zoll-Festplatte und verbraucht auch mehr Strom im Betrieb. Für den Heimbetrieb sind „Eco-Festplatten“, die ihre Umdrehungszahl bei Nicht-Verwendung reduzieren und dementsprechend auch Strom sparen, sehr sinnvoll. Ein ständiges Stand-by (also die Festplätte hält an) sollte jedoch vermieden werden, da dies Festplatten mechanisch stark belastet. Neben dem Strom und der Abwärme braucht eine größere Festplatte natürlich auch mehr Platz im Gehäuse. Darüber hinaus sind 2,5-Zoll-Festplatte noch nicht in der Größe (Speicherplatz) von 3,5-Zoll-Festplatten verfügbar. Die Speicherpreise zwischen bspw. 1,5-TB-, 2-TB-, 3-TB- oder gar 4-TB-Festplatten variieren stark (am besten bei Bestellung das eigene Budget betrachten und den GB-Preis berechnen). Wichtig im RAID ist aber, dass die Größe immer von der kleinsten Festplatte im Verbund ausgeht. Im Idealfall sind also alle Festplatten gleich groß und am besten sogar noch vom selben Hersteller.

Hier also etwas Auswahl (3,5 Zoll alles SATA III):
3,5 Zoll – 1 TB: Western Digital Caviar Green WD10EZRX
3,5 Zoll – 2 TB: Western Digital Caviar Green WD20EARX
3,5 Zoll – 3 TB: Western Digital Caviar Green WD30EZRX
3,5 Zoll – 4 TB: Hitachi 0S03363

2,5 Zoll – 1 TB: Hitachi Travelstar 5K1000
2,5 Zoll – 1,5 TB: Western Digital Scorpio Green WD15NPVT
2,5 Zoll – 2 TB: Western Digital Scorpio Green WD20NPVT

 

4. Gehäuse
Das passende Gehäuse ist vor allem eine ziemliche Geschmackssache. Ich berücksichtige bei der Auswahl, dass mindestens vier Festplatten verwendet werden können. Dazu unterscheide ich zwischen zwei verschiedenen Gehäuseformen und gebe dazu auch die passenden Lüfter noch mit an, damit es auch schön leise läuft.

HTPC-Gehäuse mit USB 3.0 und einem externen Einschub (z. B. für BluRay-Laufwerk/Brenner) – sieben (!) interne 3,5-Zoll-Einschübe:
SilverStone SST-LC10S-E Silber
Silverstone SST-LC10B-E Schwarz

Optionale Lüfter (maximal 5x im Gehäuse siehe oben):
Noiseblocker Gehäuse-Lüfter BLACK Silent Fan X1 80mm

 

Midi-Tower mit USB 3.0:
Silverstone Precision SST-PS07W Weiß
Silverstone Precision SST-PS07B Schwarz

Optionales Dämmset für Silverstone SST-PS07B

Optionale Lüfter:
Vorderseite (2x) – Scythe Slip Stream SY1225SL12L
Rückseite (1x) – be quiet! SILENT WINGS 2 120 mm

 

5. Netzteil
Beim Netzteil sollte man nicht unbedingt den großen Sparhammer rausholen. Hier kann zum einen Strom gespart werden und zudem kann hierbei auch unnötiger Krach durch störende Lüftergeräusche entstehen. Bei der aktuellen Konfiguration wird kein sonderlich leistungsstarkes Netzteil benötigt, ein gutes Kabel-Management schadet hingegen nicht. Nicht ganz unwichtig ist die Anzahl der Anschlüsse sowie eine automatische Lüftersteuerung. Folgend mehrere Möglichkeiten:

Tipp I: LC Power Silent Giant Green Power 450W – 80 Plus
Tipp II: CoolerMaster Silent Pro M2 420W – 80 Plus Silver
Tipp III: be quiet! Straight Power E9 400W – 80 Plus Gold

 

Optionales:

1. SSD-Festplatte für Systemdaten (Beispiel-Konfiguration: 1x SSD + 4x HDD (kein externes Laufwerk))

Spartipp: Kingston SSDNow V300 120 GB
Alternative I: Intel 520 Series 60 GB
Alternative II: Samsung 840 Series 250 GB

2. RAID-Controller
Unbedingt beachten, dass das Mainboard maximal x4 auf PCIe 2.0 x16 bereitstellen kann; dazu gibt es 1x PCIe 2.0 1x und 2x PCI.

Spartipp (4-Kanal; SATA 600): HighPoint RocketRAID 640L (Test)
Alternative (128 MB Cache; 4-Kanal; SATA 600): Adaptec RAID 6405E
Performance-Tipp (500 MHz; 128 MB Cache; 4-Kanal; SATA 300): Adaptec RAID 3405

3. BluRay-Laufwerk/Brenner
DVD-Brenner: Lite-On iHAS124
BluRay-Laufwerk: Lite-On iHOS104
BluRay-Brenner: LG BH10LS38

 

Und fertig ist euer feines Heim-System mit vernünftiger CPU, Grafik, HDMI und vielleicht sogar noch einem viel schnelleren RAID, wenn ihr zu einem optionalen Controller greift. Hierbei würde ich, wenn die Konfiguration zusätzlich noch eine SSD vorsieht, diese direkt anbinden und die vier HDDs über den Controller jagen. Wie dem auch sei, hättet ihr bei dieser Konfiguration sicher kein ultimatives Low-Budget-System, denn davon halte ich persönlich herzlich wenig. Wenn Daten einmal weg sind oder das System unstabil läuft, ist das Kotzen immer sehr groß. Falls es übrigens nicht richtig rüber kam sei noch zu sagen, dass beim genannten Mainboard sowohl der Prozessor als auch die Grafik (HDMI-Anschluss vorhanden) bereits enthalten sind.

PS: Natürlich kann man auf dem System auch Windows Home Server nutzen, womit man ebenfalls z. B. eine Backup-Lösung für sein gesamtes Heimnetzwerk (z. B. Laptops, Rechner der Kinder etc.) mit Dateiverwaltung usw. auch sehr einfach ohne Administrationskenntnisse für Windows-Server bereitstellen kann. Hierbei ist wie bei vielen Server-Systemen aber zu beachten, dass beispielsweise Anti-Viren-Software als Server-Versionen installiert werden müssen. Die sind oftmals ein wenig teurer, können dafür aber oftmals auch erweiterte Möglichkeiten wie z. B. Client-Filtering mitbringen.

Bei Fragen… einfach fragen. :)

 

Ein paar fertige NAS-Systeme zum Preisvergleich:
One Technologies Mighty Box V2 4x1TB
Netgear ReadyNAS NV+ v1 (RND4410-100) 4x1TB
Netgear ReadyNAS NV+ v2 (RND4410-200) 4x1TB
Synology DiskStation DS413j – 4x2TB
QNAP TS-412 4x2TB
Buffalo LinkStation Pro Quad 4x2TB

NAS-Systeme – Leergehäuse:
Netgear ReadyNAS NV+ v1 (RND4000-100)
Netgear ReadyNAS NV+ v2 (RND4000-200)
Netgear ReadyNAS Ultra 4 (RNDU4000)
Netgear ReadyNAS Pro 4 (RNDP4000)
Synology DiskStation DS413j
QNAP TS-419P II
Drobo 5D

Nachtrag: Sollen Festplatten bzw. Partitionen verwendet werden, die größer als 2 TB sind, muss das GPT-Format (GUID-Partitionstabelle) verwendet werden sowie das BIOS UEFI unterstützen, um vom jeweiligen Storage booten zu können (das genannte Mainboard kann es).

Die Auswahl der Hardware ist oftmals auch eine ziemliche Geschmackssache. Wie gesagt, das sind hier Empfehlungen. Niemand ist gezwungen diesen nachzugehen und/oder sich für genau dieses Bauteil zu entscheiden. Einzelne Schrauben, Kabel etc. werden vermutlich zum Teil auch noch benötigt, gerade wenn man ein Bulk-Produkt kauft. Die Liste ist eine Empfehlung für Anfänger, der Profi sollte in der Regel sowieso bereits wissen was er will. Und das es für jedes Bauteil in diesem Sektor mindestens 500 Alternativen gibt, seien sie günstiger, teurer, vermeintlich besser usw. ist schon klar, aber immer her mit dem Trolling. Und nein, es geht nicht darum ein möglichst billiges System zu nehmen, dieses zu hacken oder auch nur anzupassen um daraus bspw. ein NAS zu machen. Das macht zwar auch Spaß, hat mit der Sache hier allerdings recht wenig am Hut – auch wenn’s vor allem die FreeNAS-Experten animieren dürfte. ;)