Die Netiquette im Social-Media-Land

Ich vertrete ganz klar die Meinung, dass in sozialen Netzwerken Per-Du zu kommunizieren ist. Davon ausgeschlossen natürlich, sollte sich ein Benutzer beispielsweise per privater Nachricht melden und ebenfalls per Sie kommunizieren. Kann man jedoch diesen, meinen, Gedanken grundsätzlich vertreten? Ich selbst würde es verneinen, möchte man von einer Bank auch nicht direkt per Du angesprochen werden. Möchte man das wirklich nicht? Ist man inzwischen zumindest im Internet noch nicht so weit, dass man ein Per-Du persönlicher wahrnimmt als eine Per-Sie-Ansprache?

Ich finde es persönlicher, würde es jedoch auch eher auf die Liste der Fehltritte schreiben. Man erwartet beispielsweise von einer Bank auch seriös behandelt zu werden. Auf der anderen Seite, möchte ich mit meiner Bank auch nicht unbedingt via Twitter kommunizieren. Macht es die Telekom wunderbar vor, wie sich auch ein Konzern der Betonwände locker geben kann, geht es bei Gesprächen mit der Bank doch so gut wie immer um (direkte) persönliche Angelegenheiten. Auch wenn ich in meiner Bank ebenfalls per Du kommuniziere, wünsche ich mir das im Internet eher weniger. Hat sie nun einen Auftritt in Facebook fände ich das gut, auch wenn ich definitiv kein Fan davon werden würde, denn in diesem Account würde sie sich bewerben und kann ebenso auch alle Texte neutral verfassen. Anders würde man in meinen Augen nur zu einer bekannten Bank werden (die es so real gibt), die auf Messen und Jugendveranstaltungen Direktkredite vergibt sowie auszahlt und einem auch via handfester Spam-Post nervt.

Sportwagen-Bauer soll es ebenfalls sehr erfolgreich ins Socual-Media-Network verschlagen haben. Erwartet man von Porsche Per-Sie angesprochen zu werden? Eher weniger, wenn man von der Kundschaft dies wohl auch erwarten würde. Im Showroom und vor der Probefahrt im neuen GT3 sicher, doch im Internet ist man unter sich. Man spricht sich direkt an und vor allem ist man eher weniger auf die Seite gekommen weil man eine gewisse Antipathie der Marke gegenüber pflegt, viel mehr, weil man sich für sie interessiert, weil man sich selbst mit ihr verbunden fühlt oder verbinden möchte. Es ist eben eindringlicher, wird man von seinem Sportwagen-Bauer auch persönlich wahrgenommen und steht nicht nur vor einer Wand der Marketing-Phrasen.

Stellt sich nur die Frage, wie dann beispielsweise Maybach ihre Kunden ansprechen sollte. Ich denke hier handelt es sich um einen Grenzfall. Zum einen würde sich die Frage stellen, ob eine Marke wie Maybach wirklich derartige Social-Media-Aktivitäten anstreben sollte, die in den direkten Dialog mit dem potenziellen oder bereits gefassten Kunden treten oder ob man sich rein auf die Zielgruppe beschränkt und seiner Linie durchweg treu bleibt. Dies kann man natürlich auch in sozialen Netzwerken, doch hängt dies stark von der Ausrichtung des jeweiligen Networks ab. Würden sie oftmals 12- bis 30-Jährigen auf Twitter Maybach wirklich ernst nehmen und sich dafür auch interessieren? Vielleicht, doch die Effizienz der Kampagne wäre wohl mehr als dürftig.

Ebenso stellt sich mir nicht die Frage, wie man auf seiner Homepage mit dem Besucher spricht. Diese betrachte ist vollkommen losgelöst von den Social-Media-Aktivitäten. Auf der Homepage geht es für mich um die CI des Unternehmens, wie es sich auf dem Markt positioniert. Genau diese Worte könnte man nun auch für die sozialen Netze adaptieren, doch funktionieren diese anders. Sprechen wir nicht von Business-Plattformen wie beispielsweise Xing, geht es nun mal um die Persönlichkeit, um das (mediale) soziale (Zusammen-)Leben. Anzumerken wäre jedoch noch, dass damit nicht die Einbindung von Social-Network-Widgets gemeint sind, bestimmt mit diesen in der Regel der Benutzer selbst, wie er eine Information in seinen Account publizieren möchte.

Emotionen und Aktualität verkaufen heute Produkte und keine trockenen Ansagen aus den Logbüchern der jahrzehntelang geführten Marketing-Aktivitäten. Porsche hat’s schon vor über 30 Jahren begriffen: Porsche separates Le Mans from Le Boys.

Angestoßen wurde der Gedanke bei mir übrigens daher, weil ich immer wieder automatische Direct Messages auf Twitter bekomme, die sich Per-Sie bei mir bedanken, weil ich ihnen folge oder halt einfach nur auf ihr Folgen reagiere. Ich finde es eher lästig diese Nachrichten automatisch generiert zu bekommen, aber nicht weniger schick, wenn man dann einen Blick in ihre Accounts wirft und dort von Social-Media-Berater und ähnlichen Marketing-Phrasen erdrückt wird.

  • Schön, dass Du hier darüber geschrieben hast. So habe ich auch mehr Platz meinen Senf dazu zu geben (zur Erinnerung @stelev).

    Wie schon bei Twitter kurz angezeckt, sehe ich das grundsätzlich genauso wie Du.
    Ich würde aber gern nochmal auf das Thema Bank eingehen. Grundsätzlich gehe ich nicht davon aus, dass die Bank über ein soziales Medium mit Dir über Dich betreffende kontobezogene Themen sprechen wird (mit Angabe Kontonummer und so).

    Was aber ein durchaus vorstellbares Szenario wäre, ist die Positionierung der Bank zu aktuellen Finanzthemen oder allgemeine Banking-Tipps oder Veranstaltungshinweise oder bekannte Ausfallzeiten oder oder oder …
    Das können ja durchaus auch Themen sein, die Dich interessieren und einem Folgen der eigenen Bank sinnvoll erscheinen lässt. Und wenn es dann zur persönlichen Ansprache kommt aufgrund unterschiedlicher Ansichten beispielsweise oder einer Nachfrage, wird die Bankseite in der Situation sein zu entscheiden, ob sie Dich mit „Du“ oder „Sie“. Ich denke es würde dann auf ein „Sie“ hinauslaufen.

    Gruß Stephan

  • Hey Stephan,
    danke für deinen Kommentar :)

    Damit bist du definitiv Recht. Sehe ich auch ebenso, allerdings auch, dass man diese Informationen ohne direkte Ansprache auskommen kann. Fände ich bei einer Bank auch die neutralste Lösung.

    Viele Grüße, Andi

  • Ich würde schon gern den Leuten, die dahinter stecken, also den Schreibern ein Gesicht geben. Das macht die Bank dann auch irgendwie anfassbarer und menschlicher. Banken bestehen halt auch aus Menschen.

    Du duzt Dich übrigens gerade mit nem Banker ;).

    • Ich duzte meine Banker immer. *lach*
      Schon, jedoch sprach ich von grundsätzlichen Informationen (bspw. Kredit für 7,X% p.a. …). Alles andere würde für mich wieder in zu viele Informationen fallen. Ich meine, die Sparkasse ist auf Twitter schließlich auch unterwegs – ich denke, die Leute selbst checken es wohlmöglich schon, ihre Daten nicht dort zu posten. Vllt. haben sie begriffen, dass das nicht mal eben löschbar ist. Aber da bin ich mir keinesfalls sicher, was bspw. DMs angeht.

  • Chrissy

    Also ich hab jetzt nicht meine Bank, meinen Arzt oder sonstwas in Twitter. Ich bin generell bei Twitter, Facebook, Blogs für Du.

    Wenn jedoch zb im Blog es „Standard“ ist, dass kommentiert wird mit „Sie“, dann beuge ich mich dieser Eigenart und schreibe in meinen Kommentar auch ganz brav und lieb „Sie“.
    (Ich glaub bei daily-pia war das früher so…)