Ein Blick durch die Sphärenwand

Viele von euch haben ganz sicher schon mal etwas vom Microblogging-Dienst Tumblr gehört. Ich mag die Seite sehr und bereibe neben dem VisualBloc-Tumblrblog auch noch eine paar weitere TBlogs. Gestern saß ich am Schreibtisch, der Fernseher zeigte das Training vom 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring/Nordschleife, die OREO’s schmeckten wunderbar und auf Tumblr fand ich einen tollen neuen Blog nach dem anderen. Doch was ist Tumblr eigentlich und was kann man da machen?

Kurz beschrieben ist es ein Blogservice bei dem man sich mit einem Nickname anmeldet und dazu seine Subdomain wählt. Das sieht dann beispielsweise folgendermaßen aus: http://visualbloc.tumblr.com Dann hat man die Möglichkeit sich eventuell erst mal im Tumblr-Verzeichnis nach anderen Blogs umzusehen oder man stellt direkt selbst etwas online. Guckt man sich auf Tumblr um, fallen einen schnell die Buttons für Like, Reblog und Follow auf. Mag man etwas, klickt man auf das Herz bzw. Like, folgend wird der eigene Nickname unter diesem Artikel angezeigt. Rebloggen bedeutet, dass man diesen Artikel in seinem eigenen TBlog ohne Veränderungen (die man allerdings auch vornehmen kann) ebenfalls posten kann. Klickt man auf Follow, wird man sozusagen Fan von diesem Blog und bekommt die neuesten Einträge des Bloggers in seinem Dashboard angezeigt und je nach verwendeten Theme zeigt man in seinem Blog mittels Favicon an, dass man diesen Blog verfolgt.

Bis zu diesem Punkt muss man bei Tumblr angemeldet sein, jedoch eigene Artikel zu erstellen ist keine Pflicht. Möchte man dies tun, bietet es sich an seinen Blog an die eigenen Vorstellungen anzupassen. Hierzu bietet Tumblr die Möglichkeit aus einer sehr großen Datenbank kostenfreier Themes (und auch Bezahl-Designs) zu wählen, die man mit nur zwei Klicks für sein eigenes Blog aktivieren kann. Weiterhin kann man sich ein Avatar hochladen, eine kurze Beschreibung eingeben, den Account direkt mit Twitter verbinden, seine Feedburner-ID hinterlegen oder andere Veränderungen wie beispielsweise den Facebook-Like-Button, eine Disqus-Commentbox, Locationcounter, Google Analytics und viele weitere Erweiterungen vornehmen. Zusätzlich besteht auch die Möglichkeit seinen Blog vollständig von der Öffentlichkeit mittels Passwortschutz auszuschließen, dabei kann dieser Blog jedoch auch nicht mehr verfolgt werden.

Schreitet man nun voran und möchte eigene Artikel verfassen, bietet Tumblr mehrere Optionen. Zur Grundauswahl steht, ob man einen Text-, Bild-, Audio-, Video-, Chat-, Link- oder Zitat-Artikel erstellen möchte. Dabei können die Daten direkt bei Tumblr hochgeladen oder auch selbstständig eingebunden werden. So nutze ich bspw. für mein Daily-Picture-Project jeweils einen Bild-Artikel und datiere diesen jeweils auf den Tag, an dem das jeweilige Bild geschossen wurde. Zusätzlich kann ich noch passende Tags hinterlegen, dem Artikel eine Custom-URL verpassen, zusätzlichen Content einpflegen, auswählen ob ich beim posten des Artikels automatisch Twitter benachrichtigen möchte (sofern der Twitter-Account hinterlegt wurde; postet automatisch einen neuen Tweet) und ob ich anderen Benutzern erlauben möchte auf diesen Artikel zu antworten. Natürlich bietet Tumblr noch weitaus mehr Möglichkeiten, die sich jedoch sehr einfach und verständlich verpackt präsentieren. Möchte man einen kleinen Microblog starten oder erst mal etwas reinschnuppern, macht es via Tumblr in jedem Fall schnell Spaß.

Natürlich muss ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass sich auf Tumblr wohl eine Vielezahl an sogenannten Schmuddel-Blogs befinden. Das muss und kann man gar nicht totreden, doch auf der anderen Seite gibt’s die überall und wenn ich diese nicht besuchen möchte, muss ich halt einfach auch nicht danach suchen oder bei befreundeten Blogs auf die (nackeligen) Favicons seiner Followed-Blogs klicken. Alternativ gibt’s auch immer noch die Möglichkeit den wohlmöglich nicht gewollten Blog zu schließen und nicht noch mal anzusurfen. Kinder sollte man allerdings trotzdem nicht gerade auf Tumblr loslassen, eigentlich am besten gar nicht unbeaufsichtigt ins Netz schicken. Aber das ist ein anderes Thema, dass nicht unbedingt an dieser Stelle diskutiert werden muss.

Ich abonniere derzeit etwas mehr als 200 Blogs direkt auf Tumblr. Sind natürlich jetzt nicht wahnsinnig viele, doch dazu muss man sagen, dass ich sehr schnell Blogs rauswerfe die mir zu oft sinnfreien Content liefern. Bei den 200 Blogs gucke ich jeden Tag einmal über meine gesamte Timeline, bis mir Beiträge vom Vortag ins Auge springen. Das dauert in der Regel maximal eine halbe Stunde, je nachdem wie viel dabei ist, was ich mir genauer ansehe oder etwas mehr zu lesen ist. Geht also ziemlich fix. Ebenso ist Tumblr eine interessante Linkplattform. Natürlich nicht für ein SEO-Linkbuilding, dafür ist das herzlich wenig sinnvoll. Viel mehr aus SEM-Sicht. Es kommt dabei allerdings sehr darauf an in welcher Branche man sich bewegt oder was man speziell vor hat. In meinem Fall habe ich in den letzten Tagen einen Testblog auf Tumblr gestartet, der alleine aus 1.000 rebloggten Artikeln besteht, viele hundert Follower hat und am Tag zwischen 10-20 Minuten Arbeit benötigt. Aber auch die Zeit sollte ja einen Nutzen bringen. In diesem Fall sind es bereits über 200 unique User pro Tag auf eine andere Domain direkt aus dem TBlog heraus, ohne jedes Bild darauf zu verlinken oder explizit nervige Klickwerbung zu veranstalten. Klingt nicht sonderlich viel, klar, doch diesen Testblog gibt’s auch erst ein paar Tage und es wurde kein einziger Cent Werbegeld investiert oder von anderen Seiten selbst darauf verlinkt bzw. Aktionen gestartet. Zugegebenermaßen ist es nicht mein erster Tumblr-Blog und ich habe eine gewisse Erfahrung mit welchen Themen und Aufbau sich bestimmte Zielgruppen wie lenken lassen, doch dies auch nur durch testen und ausprobieren. Testen wie auch mit diesem angesprochenen Blog.

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein paar Zahlen präsentieren. Im Jahr 2007 wurde Tumblr von David Karp und Marco Arment gegründet, Ersterer vermeldete im März, dass Tumblr im Februar ingesamt etwa 3 Millionen Benutzer hatte, täglichlich rund 15.000 neue dazu kommen und pro Tag etwa 2 Millionen Artikel angelegt werden. Zu dieser Zeit konnten die User aus 330 Themes wählen, erreichten 1 Milliarde Page-Views nur alleine im Feburar und verursachten 500 Terabyte Traffic auf 82 Servern. Angesichts dieser Zahlen, die immerhin bedeuten, dass pro Sekunde 18 neue Artikel, 5 Reblogs und 400 Page-Views passieren, verwundert es auch kaum, wenn die Investoren inzwischen leise nachfragen wie man denn diesen Dienst langsam aber sicher monetarisieren möchte. Es bleibt abzuwarten welchen Weg man gehen wird, fest steht jedoch dass Tumblr die (Microblogging-) Blogsphäre verändert hat. Für mich bleibt Tumblr auch der eigentliche Vorreiter in Sachen ‚Like-Button‘ und die Zahlen werden inzwischen bombastisch angewachsen sein. Stay blogged.

  • Pingback: Tumblr und viele tolle Microblogs | Andi Licious' Blogosphäre()

  • Chrissy

    Hab mich da gestern auch angemeldet um zu schauen wie das ist.

    Ich kenne viele Tumblrblogs die hauptsächlich fremde Bilder verlinken. Da frag ich mich wie Tumblr das regeln will, wenn einen Urheber ein „via“ oder „Copyright“ nicht genügt oder dagegen ist?

  • Genau das frage ich mich auf Dauer auch. Klar, USA hin oder her – YouTube zeigt auch nicht ganze Folgen von Serien oder gar Filme. Hat dementsprechend ja auch ihre 10-Min-Regel und falls doch etwas kommt, wird’s gelöscht. So wurden von mir sogar schon Mitschnitte von RTL im Auftrag der Formula One gelöscht. Ich bin gespannt wie das mit Tumblr mal wird. Eben so auch was den Jugendschutz angeht. In den USA mag das vllt. gehen, aber in Deutschland. Hmm… weil ihre Einstellung für ’nicht bürogeeignete Blogs‘ ist da ja eher ein Witz. Selbst Facebook hat für die Fanseiten Altersregeln eingeführt.

  • Chrissy

    Also auf Grund dessen, dass ich Tumblr eigentlich nur als Sammelstelle für Bilder auf die man sogesehen kein „Recht“ hat ansehe, bin ich der ganzen Geschichte etwas dagegen eingestellt.

    Aber so kostenlose Anbieter entwickeln sich irgendwie immer halt für mich in eine Richtung: Tumblr -> Ausstellung von Bildern von denen der Urheber meistens nichts weiß, Blogspot -> Fashionblogs

    Ist so. Schubladendenken ole.

    Wie gesagt, die müssen nur an so eine wie von „Marions Kochbuch“ gelangen und schon hat GMX wieder einen Skandal ;)