Machmut, Jedis und ’ne Ziege

Also da war mal ein Journalist, der hieß Bob Wilton (Ewan McGregor) und arbeitete für eine Ortszeitung. Dieser wurde zu einem Typen geschickt der Gus Lacey (Stephen Root) hieß, von sich behauptete übersinnliche Kräfte zu besitzten und in letzter Zeit das Ungeheuer von Loch Ness beobachtet sowie einen Hamster mit seinen Inner-Kopf-Kräften gekillt zu haben. Ihr merkt schon, die Story fängt gut an und trotzdem möchte ich euch nicht zuviel verraten. Also lest ruhig weiter, eine vollständige Rezension oder Schilderung der haarkleinsten Details werdet ihr hier nicht bekommen, doch ein paar Gründe die für und die gegen die Sichtung von ‚Männer, die auf Ziegen starren‘ sprechen.

Setz‘ das Werk fort Lyn, die Welt braucht den Jedi, heute mehr denn je zuvor.

Ich glaube, ich verblute. – Du verblutest nicht, du hast einen Schock. Bloß einen Schlock.

Mir ist so heiß, ist dir denn nicht heiß? – Bob, du musst den Mund geschlossen halten. Durch den Mund verliert mein eine Menge Flüssigkeit.

Was spricht dafür sich den Film unbedingt anzusehen?
Dass in diesem Film George Clooney (als Lyn Cassady), Ewan McGregor (als Bob Wilton), Jeff Bridges (als Bill Django) und Kevin Spacey (als Larry Hooper) u. A. mitspielen. Dass die Roller das Journalisten von Ewan McGregor als Bob Wilton gut besetzt ist, weil er genau so rüberkommt, wie das Jon Ronson (Buch), Peter Straughan (Drehbuch) und Grant Heslov (Regie) wohl gewollt haben. Dass George Clooney als Lyn Cassady wie immer gut aussieht, wenn der Bart auch aus Inglourious Basterds hätte kommen können und ihm sein Tattoo neurose bedingt gut steht. Dass Jeff Bridges als Oberhippie (Bill Django) nach oder durch sein Trauma wunderbar rüber kommt, die Haare im gut stehen und er die Nutten ganz sicher mit Staatsgeldern bezahlte. Dass Kevin Spacey in der Rolle als Larry Hooper gut rüberkommt und sich das auch gut durch den Film zieht, vor allem ihm die Wandlung gut gelingt.

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Dass es nur mit und wegen der dunklen Seite auch etwas Böses gibt. Dass er für gute Lacher sorgt, die zugegebenermaßen jedoch nicht so sehr lang sind. Dass es Entführer und Geiseln gibt, die aber nur um eine andere Story drumherum aufbauen. Dass die Fahrweise der Amis im Krieg aufs Korn genommen wird. Dass private Sicherheitsunternehmen hart aber herzlich aufgezogen werden. Dass im Film jede Menge Ironie und Sarkasmus steckt. Dass sich George Clooney für die teilweise Dummheit seines Volkes entschuldigt. Dass es auch schwarze Schaafe unter den großten Patrioten gibt. Dass LSD im Trinkwasser-Reservoir und Trockenei für ordendlichen Spaß sorgt. Dass Eis am Stiel in der Wüste lecker sein muss. Dass Sandsäcke am Hoden hochheben zu können cool sein muss. Dass man durch Wände laufen kann.

Weißt du, wenn die genaue Position des Ziels schon bekannt wäre, dann wäre kein Jedi nötig um es zu finden.

Dann, als ich da saß, spürte ich diesen Drang in mir – ich war machtlos dagegen. Vielleichst gab es in meinem Innersten, irgendwo, eine dunkle Macht die wissen wollte ob ich es schaffe.

Das wars. Ich stelle meine Kräfte in den Dienst des Bösen. Es war als hätte ich einen Fluch über uns alle gebracht. Wie in diesem einen Gedicht, wo dieser Kerl ’ne Möve abschießt und die dann um den Hals tragen muss. Nacht für Nacht musste ich von dieser Ziege träumen, wie sie ihr Maul auf und zu macht, aber man hört keinen Laut. – Das Schweigen der Ziegen.

Was spricht dagegen sich diesen Film anzusehen und wohlmöglich seine kostbare Zeit auf Erden zu verschwenden?
Dass der Chefredakteur einen Darth-Vader-Arm hat und der wahre Jedi nur unweit entfernt ist. Dass der Film eindeutig und zu offensichtlich powered by Ford ist. Dass George Clooney kein oder ein anderer Bart besser gestanden hätte. Dass George Clooney seine verdammte Coolness abhanden kam. Dass Messerangriffe ohne Messer zwar lustig sind, aber auch nur die Spieldauer verlängern. Dass unverwehte (Sand-)Straßen mit Schikanen in der Wüste freigeschaufelt sind. Dass IEDs (Improvised Explosive Device) verherrlicht werden, indem die Wirkung total unterbewertet bleibt um die Story zu vereinfachen, das Thema aber unterzubringen. Dass man nicht durch Wände laufen kann.

Hallo Bill – Hallo Lyn – Das ist Bob – Hallo Bob – Hallo – Oh gut. Die alte Gang ist beisammen.

Darin verbirgt sie ’ne unterschwellige Nachricht? – Die zum Beispiel lautet: Bedien‘ keine Maschinengewehre wenn du Alkohol getrunken hast. Wir haben alle möglichen neuen Ideen in der Entwicklung. Nennen sie ihm eine unsere neuen Ideen… – Dieäh Airbag-Miene – Airbag-Miene. Nicht tötlich. Katapultiert den Wichser direkt in die Luft. Noch ein Beispiel. – Wir bombadieren das Ziel mit Pheromonen und lassen Killerbienen los. – Ausgezeichnet – Killerbienen…die Gewalten der Natur! Noch eins. – Projekt Achilles. Wir verstümmeln Leichen von Feinden und… – Das machen wir schon lange nicht mehr…Schwachkopf!!

Was, was ist da? – Die dunkle Seite.

Fazit: Ich würde ihn mir wieder ansehen, sogar noch ein drittes mal. Dies liegt jedoch weniger an dem teilweise vorhanden Wortwitz, sondern viel mehr an der häufigen Ironie und dem Sarkasmus – vor allem über und gegen das amerikanische Vorgehen und ihre Taten. Ebenso positiv finde ich die Besetzung, wenn ich auch bei George Clooney und der Wüste immer direkt an Syriana denken muss. So recht wollte jedoch nicht der übermäßige, seit spätestens von Superbad bekannte Humor mit langfristigen Lachern aufkommen. Ebenso bekommt der Film von mir eine kleine Abwertung für den Fast-keinen-Nutzen-Faktor. Ein Film muss nicht viel nützen, kommt er vor allem so daher dass er Politik gar gut verpackt – doch kommt er als lustiger Film (Werbung), muss er für mich auch lustig sein und wird gerade daran gemessen. Da kann er für mich nicht ganz auftrumpfen. Dennoch sehenswert und keine großartig verschwendete Zeit auf Erden. Nur etwas.

Andi-Licious-Score: 6,5 von 10 Punkten auf der bis 11 reichenden Skala für den Film ‚Männer, die auf Ziegen starren‘ (Originaltitel: The Men Who Stare at Goats).

Damals war ich gekränkt, weil mich Lyn nicht mitnehmen wollte. Aber wie ich inzwischen weiß, sahen er und Bill was kommen sollte. Niemand weiß genau was aus ihnen geworden ist. Offiziell hieß es sie seien abgestürzt, entweder aufgrund von Granatenbeschuss oder weil, naja, ist ja auch kein Wunder wenn man auf einem LSD-Tripp Hubschrauber fliegt… jedenfalls wurden sie nie wieder gesehen. Wie alle Schamanen kehrten sie in die Sphären des Himmels zurück.

Habt ihr ‚Männer, die auf Ziegen starren‘ schon gesehen? Werdet ihr euch diesen Film noch ansehen? Wie fandet ihr diesen Film, was war gut und was war weniger gut bzw. schlecht? Was denkt ihr über diesen Film und was im Bezug auf die TV-Werbung und was euch dann im Kino erreichte?

Nachtrag: Danke an Katrin für den „Yedi, Jedi“ Hinweis. Möge die Macht mit Dir sein!

  • also eigentlich fand ich ihn auch sehr gelungen und gut gespielt. deinen „Fast-keinen-Nutzen-Faktor“ kann ich aber bestätigen… trotzdem auch für mich ein 2tes mal in original ton :)