Magazine unter den Fittichen: AIT 4.2011 – Büro & Verwaltung / Office Buildings

Am Samstag waren Simone und ich einmal mehr im Zeitschriftenladen am saarbrücker Bahnhof. Ich stehe ziemlich auf Zeitschriftenläden und finde immer irgendwas cooles um mein Geld dort zu lassen. Teilweise und das muss ich zu meiner Schande gestehen landen die Magazine auf dem „muss noch gelesen werden“-Haufen, bis sie dann irgendwann einmal vorgekramt und durchwühlt werden. Zumindest mit einem der vielen Hefte vom Sonnabend war dies nicht der Fall, das machte nur einen kurzen Umweg über die Heizungsablage direkt in die Laptop-Tasche.

Die neueste Ausgabe der AIT. AIT steht für Architektur, Innenarchitektur und technischer Ausbau. Genau mein Ding also, wenn ich schon einmal wieder tolle Hefte aus den Regalen ziehe. Vorab sollte ich wohl noch erwähnen, dass das Heft schon beim Cover ziemlich punkten konnte. Tolle Druckveredelung, ignorante Haltung zur Lesbarkeit der Themen und tolle Haptik. Gefiel, wie auch der schnelle Wisch durchs Magazin noch im Zeitschriftenladen.

Nun stand die große Lesung an, die bei mir grundsätzlich in mehreren Stufen abläuft. Im ersten und zugleich wichtigsten Schritt muss das Magazin im Kreuz-und-Quer-Verfahren bestehen. Dabei durchwühle ich das Heft meistens von hinten (Zitat aus der Küche: „Ist das Heft auf japanisch oder warum liest du alles von hinten nach vorne?!“), wühle dann nach einem Artikel irgendwo drin rum, lasse mich von Aufmachern bremsen und dann muss auch der Text dazu passen. In der AIT fällt dies zugegebenermaßen allerdings etwas schwieriger. Nicht weil das Heft im Überformat produziert wird, ziemlich dick ist und auf tollem Papier gedruckt wird, viel mehr weil mich die Werbungen mehr von den Artikeln und schicken Bildern in den Artikel ablenken, wie es eben die Ergüsse der Redakteure tun (sollten).

Nicht unbedingt schlecht für den Werbekunden, auch nicht direkt für die Qualität des Magazins, geht man eventuell vom routinierten Standardleser mit Käffchen und Oreo aus. Doch der Gesamteindruck leidet bei mir schon etwas darunter. Positiv bleibt zurück, dass das Heft fast durchgehend zweisprachig (Deutsch und Englisch) produziert ist und sich die verschiedenen Bereiche in schnieken Farben voneinander strikt abheben. Okay, Bereiche als Synonym für Forum, Series und Office Buildings. Wie dem auch sei, beim Grund-Konzept und auch Design gibt’s nichts zu nörgeln, höchstens noch bei der verwendeten Schrift für englischsprachige Inhalte. Das ist wiederum jedermanns eigene Wurst.

Wenig Gewichtung doch für mich nicht uninteressant wenn er passt, ist der Geruch vom Druckerzeugnis. Hier passt er, ist dies nun aber wahrlich nicht übers Internet zu vermitteln. Mir gefallen die aufsteigenden Dämpfe bei der Inhalation der Buchstabensuppe, was einen verdröhnten Pluspunkt bringt.

Würde ich das Magazin weiterempfehlen? Ja, schon. Mein Fazit fällt auf empfehlenswert aus. Toll für Inspirationen – auch in Sachen (Print-)Design, weniger für Inspirationen auf dem Sektor der Architektur bzw. Innenarchitektur – möchte man dieses Thema nicht durch die Studiumsbrille betrachten (auf gar keinen Fall im Bezug auf nötiges Fachwissen). Die Objekte sind toll und international gewählt, umfassend beschrieben, doch der letzte Kick fehlt mir eindeutig. Für meinen Geschmack sind es zu wenig Objekte für so viele Seiten und ein derartiges Format bei stark positiv ablenkender Werbung, die im ersten Moment mich mehr inspirierte wie so mancher Artikel. Ich werde mir die nächste Ausgabe dennoch wieder ansehen, für einen abschließenden Eindruck blieben mir hier noch zu viele Fragezeichen zurück.

Schaut’s euch auch einmal an, solltet ihr ebenfalls eure Inspirationen aus der Architektur schöpfen oder euch allgemein für dieses oder nahliegende Themen interessieren. Ach so, 11,90 Euro kostet das gute Stück in Deutschland und die nächste Ausgabe erscheint im Mai (10 Ausgaben pro Jahr) unter dem Motto „Öffentliche Bauten“.

  • Schönes Teil, muss mal Ausschau danach halten. Der Preis ist zwar saftig, aber bei Fachpresse okay. Und was man erkennt ist sehr schick.

    Danke!

  • Michael

    Ich bin nicht allein! Wenn ich am Hbf noch Zeit habe, treibe ich mich auch viel zu oft im Zeitschriftenladen herum und kaufe mir Zeitschriften, die nie ein Mensch zuvor gekauft hat. Einmal habe ich mir sogar das Surfmagazin Adrenalin gekauft, weil es einfach schön trashig aussah. Inzwischen gibt es das leider nicht mehr.