Regen in Saarbrücken, Taxifahrer in München

14 Uhr, der erste Wecker tackert. Andi muss sich seine 13 Sachen packen, in zehn Minuten heißt es Abfahrt, Abfahrt zum Bahnhof. Nun ist es doch schon 14:05 Uhr, die Chaos-Mieze muss verabschiedet werden, Andi muss endlich seine Sachen packen. 14:12 Uhr, die Laptop-Tasche ist gepackt, jetzt noch den Rest. 14:18 Uhr, verdammt in 3 Minuten kommt der Bus, die Lederschuhe fühlen sich blöd an, ich nehme doch die Krokotreter.

[ad#ad-2]

Ich laufe meine Straße runter, sehe den Bus vorbeifahren. Verdammt. Ich laufe trotzdem zur Haltestelle, vielleicht kommt ja schnell ein weiterer Bus. Falsch gedacht, erst in 20 Minuten wieder. Es regnet in Strömen, noch an der Haltestelle bestelle ich mir ein Taxi nachhause. ich laufe noch mal in die Wohnung, will doch die anderen Schuhe anziehen, überlege mir, noch ein anderes Paar aus dem Schrank zu kramen. Verdammt. Wann machte ich dort denn die Schürsenkel kaputt, die halten doch keine 3 Tage mehr, wenn sie es überhaupt einmal überleben, dabei hatte ich die doch in den letzten mindestens 5 Jahren maximal 2 oder vielleicht 3 mal an. Ich versuche es.

Ich zieh sie wieder aus, eh ich in München mir noch Schnürsenkel besorgen muss oder gar vom Hotel besorgen lassen muss. Nehme ich nun die anderen Laderlatschen, die ich zusammen mit Lair für eine Hochzeit ihrer Freunde kaufte, oder nehme ich meine überalteten aber wunderbaren Krokotreter? Ich nehme die Lederlatschen, klebe mir aber profilaktisch mal zwei Pflaster an den Haxen und packe noch eine Sammlung Pflaster ein. Strümpfe an, Schuhe an, zweimal neu zugeschnürt in der Hoffnung dass sie vielleicht zwar nicht mehr genug Blut bekommen, dafür aber bombenfest sitzen. Ins Bad gerannt, ein paar Haare wieder am Kopf fixiert, ein Auto gehört und ein schwarzes Taxi aus dem Fenster gesehen.

Der Taxifahrer war weniger gesprächig, obwohl sogar ich mal den Stein ins Rollen bringen wollte. Könnte aber auch daran liegen, dass ich nur zum Hintereingang vom Bahnhof gefahren werden wollte, anstatt zum Haupteingang. Immerhin über 5 Euro weniger Asche. Egal, ich gab ihm 7 Euro, anstatt der verlangten 5,40 Euro – fühle mich zwar trotzdem komisch, aber normal müsste ich ja auch gar nichts geben. Noch einen Blick aufs Display, keine Veränderungen am Fahrplan zu sehen, also ab zum Gleis 5. Dann der übliche Blick wo mein Wagen hält. Ich sitze in Wagen 23, ein Platz mit Tisch, Fenster und bestenfalls Strom.

Aus dem Platz wurde nichts, ich nahm einen auf der anderen Seite. Ein Vater mit seinem Kind fragte mich ob’s so Okay sei. War es, ich nahm Platz. Naja, ich quetschte mich auf den Platz. Der ganze Wagen/Waggon war voll. Voller Franzosen, die natürlich lauthals ihre Gespräche offenbar durch den ganzen Abteil führten. Mir gegenüber saß ein Franzose wie er im Buche steht. Vorurteile, ja, egal. Da hätte nur noch die Kappe und ein Baguette unterm Arm gefehlt. Er blickte mich an und tastete mit seiner Mauke ab und an mein Knie ab. Neben ihm saß eine Frau, eine Prinzessin. Stand zumindest in großen Lettern auf ihrer Stirn, in meinen Gedanken. Sie blickte mich auch an, pausenlos sogar, doch die Blicke waren eher fragwürdig, als anmachend. Egal, sie lernte irgendwas, schrieb irgendwas ab und mich interessierte es auch gar nicht weiter herauszufinden was es denn ist. Es war jedenfalls auf Deutsch, soviel stand fest. Neben mir saß ein älterer Herr, der offenbar von meiner Größe etwas schockiert war. Vergleich er jedenfalls permanent meine Hände mit seinen oder guckte mich erschrocken an. Egal, auch nichts Neues.

Ich weiß war nicht ob das in Frankreich so üblich ist, aber ich fand es doch eher befremdlich schon 20 Minuten vor dem Halt in Mannheim sich am Ausgang samt seiner Utensilien zu Positionieren. Irgendwann stand ich auch auf, weil ich kein Bock mehr hatte Taschen in die Rippen zu bekommen. Ich wollte endlich selbst austeilen. Mein Nachbar stieg auch in Mannheim aus, der Franzose gegenüber stand auch auf, blickte seine Nachbarin eine Weile an, sie ignorierte ihn, dann fragte er sie ob das jetzt Frankfurt oder Mannheim wäre. Sie guckte ihn an, ihr Makeup warf Canyons und dann sagte sie:“Mannheim, du willst hier sicher raus.“ und wendete sich wieder ihrer Abschrift zu. Er war baff, ich amüsiert und der ältere Herr leicht schockiert. Ein Satz der Programm war, den ich so niemals von ihr erwartet hätte. Sie wurde mir jetzt sympathisch, wo ich den Zug verlassen musste.

[ad#ad-2]

Ich lehne Makup absolut nicht ab, finde es schön zu sehen was man damit machen kann, mag es nur nicht, wenn ein Gesicht nur noch daraus besteht. Am liebsten habe ich es Natürlich oder wie es meine Ex propagierte. Doch was soll’s, Makup kann man ablegen, das ist nichts lebenslanges – sofern man sich nicht seine Augenbrauen als Lines zu Strinbrauen tätowieren lässt. Sie trug einen türkisfarbenen Pullover, eine dünne weisse Jacke, schulterlange blonde Haare und ein eigentlich sehr fröhliches Gesicht durch ihr Leben. Ihr Handy war in einer schwarzen Neopren-Schutzhülle mit grauem Tribal verpackt, sie schrieb ihre Zettel bis zum Rand voll und quetschte noch Zeilen in Räume, in denen nicht mal noch Fussnoten ihren Platz gefunden hätte. offenbar war sie mir doch sympathischer als es mir ihr Blick vermuten ließ. Doch zu spät, ich sitze nun im ICE ‚Hanau‘ nach München, München Hauptbahnhof.

Ich habe einen Platz im ersten Wagen, Platz 21. Wieder mit Tisch, Fenster und wo verdammt noch mal sind in diesem Zug die Stockdosen? Mein MacBook will versorgt werden, will ich mir noch einen FullHD-Film reinziehen. Ich packe den Laptop erst mal nicht aus, sitze einfach so da, twittere, schreibe SMS und gucke stumpf aus dem Fenster. Meine Sitznachbarin liest das LUX-Magazin. Ein Magazin für intelligente Energie. Mein Diagonal-Gegenüber mustert mich, versucht meine Tattoos zu sehen. Ich mache mir einen Spaß draus, verdecke sie immer irgendwie, gebe ihm keine Chance. Er ist zusehend mehr genervt davon, hat er wohl offenbar sonst nichts zum anglotzen gefunden. Ich packe mein STREET-Magazin aus, lese provokant inmitten der Oberhemd-Träger (ich trage heute ein schniekes schwarzes Dickies-Wokershirt, eine dunkelblaue Joop-Jeans und dazu die besagten schwarzen Ledertreter, Erhaben ohne jeden Schnirkel) die Hot-Rod-Artikel, lass ruhig Blicke auf das Magazin richten, lasse sie versuchen zu erhaschen was ich da lese und blättere dann weiter.

Stuttgart Hauptbahnhof, im Gang eine Schlage wartender Passagiere, meine zwei Nachbarn, mein STREET-Mag und Andi, der genüsslich seine 150ml-Dose Coca-Cola aus Luxemburg schlürft und dabei sich die Kleinanzeigen reinzieht. Abfahrt gen München, der Wagen hat sich geleert. Ich sitze alleine an meinem Tisch, gegenüber am Tisch sitzt ein Typ im Obenhemd der ein Buch liest, eine Dr. Pepper-Cola auf dem Tisch stehen hat, wie der Mann von Eva Longria aus Desperate Housewives aussieht und den Jingle von Mafia-Wars als Klingelton hat. Er sieht sympathisch aus, ist aber wohl von meinem lauten rumgehämmere auf dem MacBook leicht angenervt. Hinter mir sitzt ein älterer Herr mit seinem Vista-Notebook. Ich hörte den Startsound bestimmt schon 4 Mal. Neben ihm eine attraktive Frau die ebenfalls energisch ihr IBM-Notebook fingert. Ich stecke nun meine Kopfhörer rein, stelle Bakkushan an und schnuppere den Duft von verschmorenden Kunststoff. Alle sehen sich im Wagen um, ich auch. Aber muss wohl draußen sein, denn niemand führt eine weitergehende Aktion durch.

München, besser gesagt kurz vor dem Haupthof in München, da der ICE aufgrund einer Signalstörung ein paar Meter vorher warten musste. Irgendwann eingefahren und aus dem Zug gestiegen hieß es erst mal von ganz weit hinten, draußen und am Ende des Bahnsteigs in den bahnhof reinlaufen und zum Haupteingang raus. Zur Sicherheit noch einen Blick auf den Buchungszettel von NH-Hotels, dann einen Taxifahrer geschnappt, ihm die Straße gesagt, die er nicht kannte bzw. ihn nicht direkt einfiel. Aber kein Problem, er hatte ja ein Navi.

Er bot mir an meinen Sitz weiter nach hinten zu machen, klar, wir sprachen dann über Platz im Auto und kamen auf Hummer zu sprechen. Dann ging’s weiter, immer mehr Autos und über den Spritpreis kamen wir zu Politik, Krieg, die USA und Lobbyismus. Und wir verfuhren uns, mehrfach. Dann sah ich das Hochhaus vom Süddeutschen Verlag, doch wir waren auf einer ganz anderen Seite davon. Dann verfuhren wir uns ein weiteres Mal, er stellte den Zähler aus, entschuldigte sich mehrfach und fragte ob 14 Euro Okay sein. Klar war’s Okay, kann doch mal passieren und das Gespräch war ja auch angenehm. Er kam übrigens erst vor zwei Tagen aus Malaysia zurück, hatte doch Urlaub gemacht. Dann sahen wir das Hotel, endlich angekommen und das Hochhaus vom Süddeutschen Verlag zwar in Sichtweite – aber ohne Auto dorthin? Oh damn.

Ich gab dem Taxifahrer 15 Euro, aber vergaß die Quittung. An der Rezeption mehrere wunderschöne Frauen, eine davon bediente mich. Gab mir meine Karten, ließ mich ein Formular ausfüllen und gab mir meine Zugangsdaten fürs WLAN. Von 6 bis 10 Uhr gibt’s morgen Frühstück, irgendein Schnellrestaurant ist nicht in Sichtweite. Das wird teuer, vor allem wo ich jetzt ja weiß was die Rückreise mit dem Taxi mindestens kosten wird. Vor dem Hotel steht übrigens der Team-Bus vom Dynamo Dresden. Offenbar wird oder wurde Fussball gespielt. Davor der obligatorische Audi R8.

Mal gucken wie ich morgen zum Seminar komme, aber da wird mir die Rezeption bestimmt irgendwie weiterhelfen können, ohne das ich mir die Haxen ablatsche. Hoffentlich tat der unkorrigierte Text euch jetzt nicht all zu sehr weh.

  • Ein hübsches Zimmer :) Wenn du mich Chaos-Mitze nennst bleibe ich anonym :D

  • Ultraschöne Seite, wollte mich für die tolle Inspiration bedanken.