Rock am Ring 2010 aus anderer Sicht

Von Donnerstag bis in die frühen Morgenstunden vom heutigen Montag ging es in der Eifel am Nürburgring mit Rock am Ring ab. Das Festival feierte sein 25 jähriges Jubiläum, war wie in den letzten Jahren ausverkauft und bot wirklich eine breite Auswahl an Künstlern. So standen am Donnerstag als Headliner Kiss, am Freitag Rage Against The Machine, am Samstag Muse und am Sonntag Rammstein auf der Centerstage. Doch was passierte um diese und weitere Bands sowie allgemein mit den Medien?

Am Donnerstag sah die Welt noch gut aus, übertrug MTV das komplette Konzert von Kiss live im Fernsehen. Mal davon abgesehen, dass Kiss ziemlich abging, eine noch dazu großartige Show und viele sehr bekannte Songs boten, lief auch bei MTV alles gut. Okay, die Bildqualität ließ nach wie vor via T-Home zu wünschen übrig. Am Freitag guckte ich auch im Livestream von SWR3 vorbei, die parallele Konzerte live oder im Mitschnitt zeigten. Dieses Signal war allerdings nicht nur im Internet zu sehen, sondern auch auf ARD plus bzw. Eins plus. Interessanterweise mit deutlich besserer Bildqualität als auf MTV.

Der Freitag war auch schon mehr oder weniger ein schlechter ‚Anfang‘. Rage Against The Machine erklärte, dass man nicht Live übertragen werden möchte. Dort werden sich schon einige Fans sehr geärgert haben, ist es nunmal nicht gerade die unbekannteste und ungefragteste Band. Doch am Samstag ging es so direkt weiter, durfte MTV den nächsten Headliner nicht übertragen. Muse wollte erst mal das Material sichten und dann einige Songs freigeben. Also zeigte MTV das Konzert von Slayer live. Auch nicht übel, wären da nicht die Übertragungsprobleme gewesen. Ausgelöst haben soll diese ein riesiges UFO von Muse. Klingt komisch, ist aber so. Muse ließ nämlich ein solches UFO über dem Publikum samt Akrobaten herab und die Sender freuten sich über ihre Übertragungsprobleme. Als ob das aber nicht gereicht hätte, kann oder darf diese Szene aus dem Muse-Konzert auch nicht gezeigt werden. Davon unbeeindruckt rockte Motörhead die Nacht auf der Alternastage. ‚We are Motörhead and we play fucking Rock’n’Roll!‘

Das angesprochene Muse-Konzert wurde dann am Sonntag gezeigt. Besser gesagt ein Teil davon, wie es Muse eben wollte. Zum Glück übertrug MTV Bullet For My Valentine und Rise Against. Beide rockten ziemlich, auch wenn am Sonntag der erste und heftige Regen einsetzte. Am Sonntag zeigte MTV dann auch ein klein wenig von den H-Blockx vom Donnerstag und auch von Volbeat. Nicht zu vergessen auch ein Song von The Hives, die vorher schon bei Klaas, Joko und Palina im Interview waren. Allerdings kam mir der Sänger ziemlich breit vor. Ein kurzer Switch zu Eins plus zeigte allerdings, dass das nichts im Gegensatz zu Ville Valo von HIM sein sollte. Eigentlich schon echt schade, wenn man sein Geld für die Bands ausgibt und sie dann derartige Auftritte liefern. Eins aber vielleicht noch zu den The Hives: Ob sich beispielsweise die Telekom gefreut hat, dass Howlin‘ Pelle Almqvist ihre Werbung von allen Monitorboxen gerissen hat? Werbung hin oder her, irgendwo finanziert die auch ihre Gage mit.

Die Gage ist ein gutes Stichwort. Während kleine Bands sich oft einkaufen müssen, liegt diese bei bekannteren Bands auf einem äußerst hohen Niveau. Beispielsweise kommt Jay-Z auch nicht für Zweimarkfünfzig um die Ecke, eben so wenig Cypress Hill, auch wenn diese lange nicht den Stellenwert von Mr. Empire State Of Mind einnehmen. So sieht es auch bei den Headlinern vom Sonntag aus. Bei ihnen zahlt man für ein übliches Konzert schon gerne mal über 70 Euro für ein Ticket und bekommt dafür eine ordentliche Show geboten. Bei Rock am Ring zahlt man einiges mehr für das Ticket und bekommt viele Bands über mehrere Tage geboten, sofern man nicht Strack in seinem Zelt oder Schlamm rumliegt. Die Gage wird natürlich zum einen aus den Einnahmen durch Ticketverkäufe, durch Sponsoren sowie auch die TV-Rechte aufgebracht. In den letzten Jahren übertrug MTV in der Regel alle Headliner und pickte sich auch viele weitere spannende Bands raus. Selbst die Umbaupausen füllte man ordentlich mit guter Livemusik. In diesem Jahr sah es doch alles etwas anders raus. Zwar war man auch live dabei, zeigte auch einige komplette Auftritte, doch alles in allem gab es vor allem eins zu sehen: Werbung. Ich möchte das jedoch nicht direkt an MTV festmachen, schließlich sind sie auch die Leidtragenden wenn sie keine Musik übertragen können, wofür sie überhaupt dort sind. Und Werbung bringt bekanntlich auch nichts, wenn sie niemand sieht.

So kam es passend zum angesprochenen 25 jährigen Jubiläum von Rock am Ring, dass weder MTV noch Eins plus / SWR3 die Headliner von Freitag, Samstag und Sonntag live übertragen durften. Muse gab zum Sonntagabend ein paar Songs frei, Rammstein wollte erst gar nichts übertragen haben und nach langem Hin und Her wurden fünf Lieder draus. Schockierend und doch interessant, stellt man nun mal Kiss den anderen Bands gegenüber. Kiss ist zwar im wahrsten Sinn alt, doch wer ist die bekannteste Band unter den vier Gruppen und wer lässt sich komplett live übertragen?

Rammstein, ja Rammstein. So macht man sich keine neuen Fans. Man weiß von Rammstein, dass sie neben ihren offiziellen Auftritten sehr medienscheu sind und auch nur sehr, sehr selten ein Interview geben. Schön ist das zwar nicht, aber wenn eine Band das so möchte und durchzieht ist das ja auch irgendwo Okay. Aber wie kann es sein, dass eine Band auf einem Festival ein Haufen Geld einstreicht, Verträge diktiert und gar Übertragungen verhindert. Man könnte jetzt damit argumentieren, dass die Band schließlich für das Publikum vor Ort spielt. Macht sie auch, aber nicht nur. Zumindest dann nicht, wenn sie nicht selbst die Regeln festlegt, die eigentlich in erster Linie vom Veranstalter kommen müssen. Wozu dann ausgerechnet diese Band, wenn sie doch nicht kooperieren will?

Dachte sich wohl auch das Publikum zuhause. Die Fans und Käufer ihrer Platten, der Grund wieso sie leben können, wie sie leben. Ich finde es sehr schade, dass ein großer Teil der Aufregung auf MTV zurückgeführt wird. Ich bin überaus kein Fan von dem wie und was MTV teilweise sendet, vor allem wenn es um bspw. Handy-Apps-Werbung für Nacktscanner und SXX-Apps geht. Doch ich bezweifle sehr stark, dass MTV unter anderem Rammstein nicht gerne gezeigt hätte. Vor allem gehe ich auch mal stark davon aus, dass MTV ihre Werbepartner auf dieser Basis berechnet hat. Die Aufregung lässt sich bestimmt auch auf ein paar mehr Punkte zurückführen. Wie die Ankündigung von Joko, dass man Rammstein nun doch live zeigen darf. Blöd gelaufen, nach der Werbung entschuldigte er sich dafür, im Netz sorgte es allerdings für noch mehr Spannungen. Natürlich auch die Werbung für die Übertragungen. Eins zeigte MTV von Rammstein live, nämlich wie die Band nach ihrem Gig von der Bühne stieg um dann schnell, abgeschirmt in ihren Backstage-Bereich zu wandern.

Während Klaas, Joko und Palina nun die Zeit mit einzelnen Songs von Jay-Z bis Slash füllen mussten, um dann hoffentlich wie angekündigt um 00:30 Uhr drei Lieder von Rammstein spielen zu dürfen, guckte sich die Band (Rammstein) oder vermutlich eher das Management das Konzert an bzw. besprach sich über dieses und legte die TV-Setlist fest. Teilweise zeigte MTV zu dieser Zeit nach jedem mitgeschnittenen Lied eine fast ebenso lange Werbung. Zwischendurch meldeten sich die Moderatoren sichtbar zerknirscht zu Wort und vertrösteten die Zuschauer auf eine hoffentlich baldige Nachricht von Rammstein. Etwas ungeschickt formuliert kam dann die Aussage, dass man auf den einen Song warten würde. Die Eins löste erneut wilde Diskussionen bzw. Tweets aus. Um 00:45 Uhr war es dann so weit und MTV übertrug endlich mehrere Live-Stücke von Rammstein. Inklusive Tonproblemen und sogar einem mehrsekündigen Übertragungsfehlers. Die Tonprobleme hatte man jedoch schon über den ganzen Tag hinweg. Eins plus allerdings nicht.

Um mal zu demonstrieren was in Twitter zur Zeit des Konzerts, der Übertragung einzelner Songs und danach abging, habe ich ein paar Virtualisierungen erstellt.

1.000 Tweets rückwärts mit dem Hashtag #rammstein

1.300 Tweets rückwärts mit dem Hashtag #rammstein

1.000 Tweets rückwärts mit dem Hashtag #rar (für Rock am Ring)

1.100 Tweets rückwärts mit dem Hashtag #rockamring

Sollten jetzt noch Fragen über die Meinung der Fans offen sein, sollte man sich mal die Pinnwand von Rammstein auf Facebook ansehen. Gegen Mitternacht flatterten dort im Sekundentakt Einträge der über 868.000 Fans inklusive Kommentaren rein. Eine Pressemeldung der Band bleibt abzuwarten. Ich kann mir jedoch kaum vorstellen, dass man das einfach so ignorieren wird. MTV stellte übrigens noch vor der Übertragung der ausgewählten Lieder ein paar Bilder vom Gig in ihrem Festivalblog online. Zum Thema Presse & Bilder bei besagtem Festival & Bands gibt es hier übrigens auch noch etwas interessantes zu lesen.

Ich bin weitestgehend ein Fan von Rammstein … normalerweise … wenn ich auch etwas von ihnen sehen kann, vor allem wenn ich darauf ewig warten muss und sonst alles kaufe.

  • Tomasz

    Mit welchem Tool hast Du die Tweets visualisiert?

    Und ja, die Werbepausen haben genervt, weshalb ich mal eben auf den Live-Stream vom ARD gegangen bin. Der lief ganz reibungslos. Die Soundqualitaet war dafuer nicht so prickelnd.

    • Oops, Link vergessen. Habe sie hier erstellt: http://moritz.stefaner.eu/projects/revisit/

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