Saarländer im Glück! Oder?

An einer Blogparade habe ich mit diesem Blog tatsächlich noch nie teilgenommen. Machtaber ja nichts, da kann man ja ruhig auch einmal mit anfangen – vor allem wenn’s für das tolle saar-scene-Magazin ist!

Also ab an die Fragen:

Wie glücklich und zufrieden fühlst du dich im Allgemeinen in der Region?
Grundsätzlich bin ich schon ziemlich zufrieden. Was mich nervt, ist eher, dass einige Leute einfach ihren Arsch nicht hochbekommen. Klar, vieles war mit dem Bergbau so viel besser. Na und? Die Zeiten sind nun einmal vorbei und kommen auch nicht wieder, also heißt es umdenken, anpacken und etwas Neues versuchen. Anstatt immer nur von Gestern zu reden und im Gestern zu leben. Einer der Gründe wieso ich zum Beispiel quer durch Deutschland nach Saarbrücken bezogen bin, war, dass die Leute hier nicht ganz so engstirnig sind. Das mag im Punkt des Miteinanders definitiv zutreffen, was jedoch die Unterstützung neuer Ideen angeht, fehlt es meiner Meinung nach hier doch noch an einer Portion Willen, Durchsetzungskraft und vor allem Vertrauen. Nehmen wir doch einmal ein ganz popliges Beispiel. Einen vernünftigen Coworking Space, in dem man nicht nur arbeiten kann sondern in dem auch neue Ideen wachsen können die dann wiederum auch die Stadt und das Laden repräsentieren. Derzeit gibt’s das nur mit der Teilbar, die auch großartig ist und in der auch einiges los ist. Ich kenn’s halt auch anderen Großstädten, Landeshauptstädten… und da zeigt man, was alles möglich ist, wenn man nur will! Es ist ja toll wenn beispielsweise die GIU mit EU-Geldern tolle neue Bürogebäude in einer eher angestaubten Umgebung baut, das ist prima, doch wieso nicht mal etwas, das in anderen Städten bereits funktioniert? Würde da nicht auch das überall im Saarland anzutreffende „Jeder kennt Jeden“ einen großen Anschub bringen? Schade das sich für derartige Projekte keine Investoren finden lassen. Denn die Räume an der Uni, die Teilbar oder auch die „Existenzgründer-Angebote“ der GIU sind lange keine Alternative oder gar eine Brutstätte für geniale neue Ideen, die auch der Region einen tollen Aufschwung verpassen könnten.

Wie empfindest du hier die Arbeitssituation/Studiermöglichkeiten/Chancen zur Selbständigkeit/etc.?
Das kann ich natürlich nur aus meiner Situation raus beantworten. Ich kam in das Saarland, weil ich gefragt wurde, ob ich nicht Interesse hätte. Zu der Zeit hatte ich bereits einen anderen ziemlich netten Job in der Tasche, doch ich wählte das Saarland aus mehreren Gründen. Zum einen lag es schlichtweg ein paar hundert Kilometer weiter weg, was es noch spannender machte und auf der anderen Seite hatte ich Lust auf das neue Unternehmen und die Möglichkeiten. Da ich nun ja eher der Bürojunkie bin, der mindestens 12 bis 16 Stunden jeden Tag vor seinem Rechner oder mit irgendeinem anderen Device verbringt, spreche ich vermutlich nicht gerade für die Allgemeinheit. Klar, wenn ich mal „Draußen“ bin, würde ich schon sagen, dass man als nur hochdeutsch sprechender Mitteldeutsche nicht immer auf genau einer Wellenlänge mit allen Leuten ist, noch dazu, wenn Alltags-Shizzle nicht gerade das Lieblingsthema ist, doch ich kann auch nicht behaupten, dass ich mich an irgendeiner Stelle ausgegrenzt gefühlt hätte oder fühlen würde. Grundsätzlich greift aber schon der Punkt, dass man entweder eine grundsätzliche Bekanntheit mitbringen muss (beispielsweise bei mir durch die eCommerce-/Online-Marketing-Kenntnisse) oder auf jeder Feier vor Ort sein sollte, möchte man vernünftig Fuß fassen. Prinzipiell finde ich die Möglichkeiten jedoch gut, denn wenn man es will, dann klappt es auch und wenn man zusätzlich auch noch richtig gut kann, wovon man redet, klappt’s hier erst recht ziemlich gut.

Welches deiner Hobbies kann man toll nachgehen, welches weniger?
Da ich grundsätzlich motorsportbegeistert bin, sieht’s mit meinen Lieblingshobbies im Saarland eher dürftig aus. Doch zumindest ist die Nordschleife nicht sonderlich weit weg und der Hockenheimring auch noch in relativer Nähe. Ist jetzt kein Vergleich zu ein paar Minuten Weg zur Motorsportarena Oschersleben, dem Harz-Ring oder für tollen Radsport der Harz, doch man kann halt auch nicht immer alles haben. ;)

Falls du wegziehen solltest, es schon bist oder sogar wieder zurück ins Saarland gekommen bist: Was würdest du am meisten vermissen?
In Halberstadt hatte ich das Glück in der wunderschönen Altstadt aufzuwachsen und auch in Saarbrücken habe ich mittlerweile ein schönes Plätzchen für mich gefunden, weit oben auf dem Rodenhof, mit viel Grün und Ruhe, aber trotzdem ganz nah an der Innenstadt. Genau diese Mischung mag ich sehr und vermisse sie ziemlich schnell, wenn ich beispielsweise für ein paar Tage bei meinen Eltern in der Nähe von Wolfsburg bin. Wo es entweder nur verdammt ruhig oder eben direkt mitten in der Stadt ist. Gut, das gibt’s in anderen Gebieten auch, doch hier oben wird sich noch vor der Tür gegrüßt, spielen die Kids auch einfach mal auf der Straße und man hat doch bereits ein anderes Gefühl als in der Innenstadt. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass mich in den 5 Jahren Uhlandstraße/Arndtstraße und Mainzer Straße auch nur irgendjemand morgens von sich aus begrüßt hätte. Nicht dass das nötig wäre, nö, es ist aber ein schönes Gefühl, wenn Menschen freundlich miteinander umgehen. Das finde ich sehr toll und würde es anderswo doch schon vermissen, auch wenn es das mit großer Wahrscheinlichkeit auch dort geben dürfte, wo dort auch immer sein mag.

Um das aber noch etwas zu ergänzen und weil das eben auch eins meiner Lieblingsthemen ist: Ich finde es im Saarland sehr schade, wie wenig Gründer oder Menschen mit tollen Ideen unterstützt werden. Klar, die Betrachtungsweise ist immer sehr relativ. Doch man muss bei einem Gründer davon ausgehen, dass dieser sich erst sein Netzwerk aufbauen muss. Doch hier scheitert es oftmals leider bereits an der nötigen Beratung, Locations und auch passenden Investoren die beispielsweise junge Gründer mit dem nötigen Risikokapital ausstatten würden. Oftmals sind es hierbei nicht nur die großen Leistungen, sondern ein Zusammenspiel vieler, kleiner Punkte, die eine Idee zu etwas Großem werden lassen können. Hier fehlt es meiner Meinung nach noch an Strukturen und Menschen, die sich, genau wie ich, für Dinge dieser Art begeistern können, diese Luft ebenfalls Atmen und ihre Energie oder auch nur ein Teil dieser für neue Projekte hergeben möchten. Aus diesem Grund arbeite ich u. A. auch gerade an einer Plattform, die hier vielleicht ein wenig etwas bewegen könnte. Doch schauen wir einfach, was die Zeit bringt.

Fazit: Es gefällt mir sehr im Saarland! Nur mit Berlin, Valencia und London kann es leider nicht mithalten. Da mag ich dann auch den Trubel. ;))

  • Interessant, Deine Meinung zum Thema zu lesen. In vielen Punkten (okay, nicht gerade, was den Motorsport angeht *g*) stimme ich Dir zu und habe in meinem Beitrag zur Blogparade ähnliches beschrieben: Innovativ zu sein, fällt im sonst so schönen Saarland leider schwer.

    So passt es auch gut zu Deiner Aussage, dass hier niemand den A… hoch bekommt, dass sich an dieser Blogparade gerade mal drei Blogs beteiligt haben. Wobei ich mich gerade frage, ob es überhaupt mehr Blogger im Saarland gibt?

    • Bzgl. der Blogger: Bist du in der folgenden Gruppe? Zwar auch nicht riesig, aber immerhin –> https://www.facebook.com/groups/415036991861916/