Schweißgebadet aufgewacht

Es gibt Nächte, die sollten niemals enden und dann gibt es Nächte, von denen du schweißgebadet aufwachst. Nein, nicht weil neben dir eine so herrliche Frau liegt, die Fenster beschlagen sind und dein Herz rast. Viel mehr deswegen, weil du etwas so abgefahrenes geträumt hast, dass es dich schlichtweg richtig mitnahm. Das muss jetzt nicht zwangsläufig ein Albtraum gewesen sein. Okay, man muss auch nicht unbedingt wirklich klatschnass aufwachen, um ein schweißtreibendes Abendteuer erlebt zu haben. Doch was bleibt, ist dieses „Ohh-ha-Gefühl“ nach dem Aufwachen.

So ging es mir heute Nacht. Warum ich das euch jetzt erzähle und nicht schon längst wieder vergessen habe? Also als ich heute früh unter der Dusche stand, dachte ich mir, ich müsste es unbedingt im Blog festhalten. Dann vergas ich es. Vor wenigen Minuten schrieb ich mit einem Freund, der gerade durch Spanien tourt und auf einmal war es wieder da. Jedes kleine Detail – und ich träume verdammt detailreich. Aber ich will euch auch gar nicht so sehr damit nerven. Es war auch keine Frau von der ich träumte. Heute nicht. Heute war es ein Motorrad. Ich träumte so intensiv von diesem Motorrad, dass ich mich daran erinnern kann kurz aufgewacht zu sein, als mein Nachbar sein Auto startete und fest davon überzeugt gewesen zu sein, dass Ducati dieses bauen würde. Schlief wieder kurz ein und überlegte scheinbar weiter. Kam dann aber zu dem Schluss, dass das gar nicht sein könnte, weil der Mutterkonzern von Ducati, also Audi, so ein Bike heute niemals zulassen würde und es auch gar nicht in Ducatis Produktpalette passen könnte.

Scheinbar verdrängte ich in den nächsten Minuten diese Gedanken aber wieder vollkommen und tauchte erneut in die wunderbare Traumwelt ein. Ich träumte davon, wie sich der Motor mit dem Getriebe in den Rahmen einfügen würde. Wie die Winkel und Abstände wohl wären und das Ganze aussehen würde. Im Traum umflog ich jedes kleine Bauteil und machte mir einen Eindruck vom Gesamtbild. Nach und nach entstanden daraus weitere Baugruppen. Ich merkte, dass ich aufstehen müsste, zwang mich aber wohl weiterzuschlafen. Später schrieb ich meiner WhatsApp-Klassentreffen-Gruppe, dass ich verschlafen habe. Hatte ich ja auch, so gesehen.

Doch was war der Ausgangspunkt? Alles fing damit an, dass ich an einen Einzylinder-Motorradmotor denken musste. An das Gefühl des Drehmoments und an den Sound. Der Sound brachte mich zum typischen Desmo-Sound einer Ducati (Desmodromik) sowie der Ducati-typischen Trockenkupplung. Dann wurde aus den Gedanken ein 1.100ccm Einzylinder-Motor, leicht nach vorne geneigt mit einem umfließenden Chromo-Rohr (Chrom-Molybdän-Stahl), das verhältnismäßig nah am Vorderrad positioniert ist und eine recht kompakte Front samt des hohen Motorblocks ergibt. Die Getriebeeinheit fiel sehr kompakt aus, ich überlegte, ob vier Gänge nicht vollkommen ausreichen würde, hätte ich doch genug Drehmoment, würde keinen Racer bauen und könnte so noch etwas Gewicht sowie verschleißende Teile einsparen. Meine Wahl fiel auf heute eher ungewöhnliche fünf Gänge. Ich wollte eine ungerade Zahl, so wie das ganze Motorrad nicht der üblichen Norm entsprechen würde.

Meine Gedanken kreisten weiter um den Vergaser. Ich überlegte, ob ich einen Vergaser oder ob mir eine Saugrohreinspritzung lieber wäre. Ich entschied mich für Letzteres, in einer kompakten Bauform, um so noch genügend Platz für den Tank zu lassen. Dieser umschloss den Ansaugtrakt und teilte sich in einen oberen Tankbereich sowie einen unteren Tank im Rahmen auf. Ich wollte mehr Kapazität für längere Strecken ohne Tankstopps. Ohne mit anderen Menschen sprechen zu müssen, einfach um den Sound und Wind zu genießen.

Dann machten meine Gedanken eine Wende. Es ging um den Lenker. Ich stellte mir zahlreiche Konstruktionen vor, es flogen selbst einige lustige Bilder in den Gedanken umher. Zum Beispiel eines, bei dem ein Typ auf einem Maxiroller steht und einen überdimensionalen Apehanger bedient. Und Scooby Doo auf einer Honda Monkey. Ja, meine Gedanken schweifen ab und an mal ab, um mich wohl wieder motivieren weiterzumachen. Die nötige Motivation kam dann auch auf. Ich entschied mich gegen einen typischen M-Lenker (bzw. Stummel) und für eine Flatbar – also einen Straighten Lenker. Mir gefiehl das Bild einfach besser, auch wenn ich an einem Cafe Racer „konstruierte“.

Es mussten Speichenfelgen sein, soviel war sicher. In Gedanken hatte ich allerdings die etwas verspielte Wurzelspeichung, wie man sie früher öfters in Mountainbikes sah. Heute bei Alufelgen in Motorrädern keine Seltenheit mehr, doch ich es wollte es mit Speichen in meinem Bike. Die Räder machten fast einen Bobber-artigen Eindruck. Ich wollte vorne und hinten fast identische Dimensionen montieren. Aber alles in schwarz, was zu lackieren wäre. Das gesamte Bike, bis auf zwei feine, weiße Stripes in den Felgen und einen breiten Streifen längs über den Tank. Kein Schnickschnack und schon gar kein Chrom. Als Scheinwerfer wollte ich LED-Licht in einer klassischen, runden Birne. Schwarze, pulverbeschichtete Tauchrohre und bronzefarbene Standrohre an der Gabel. Der Motor sollte ein paar rote Akzente bekommen, schließlich sollte es ein Ducati-Triebwerk sein.

Der Kümmer sollte ähnlich einer Supermoto direkt auf Auslasshöhe verlaufen, auch wenn das etwas Krümmerlänge kosten würde. Dafür solle er ruhig einen etwas größeren Radius nehmen und so seitlich weiter hinausragen, um anschließend wieder etwas weiter innen zu verlaufen. Kein Hitzeschutz montiert, nur ein Hitzeschutzband, am Anfang und am Ende mit einer schwarz eloxierten Metallschelle befestigt. Ein Auspuff, ähnlich einer alten Megaphonanlage ohne jeden Schnirkel aus Edelstahl. Die hintere Schwinge als Alumimum-Kastenschwinge mit zentralem Federelement und mit beidseitiger Aufnahme.

Doch dann musste ich aufstehen, dann ging es nicht mehr anders. Gefühlt verwendete ich 90% der Nacht für die Motor- und Getriebekonstruktion. Fühlte in Gedanken über die einzelnen Teile, überlegte selbst, ob sich der Guss des Motorblocks gut anfühlen würde oder ob die Oberfläche noch etwas glatter werden müsste. Ich entschied mich für eine leicht rauhe Oberfläche, da ich die Haptik für besser befand und es davon abhalten könnte diese Bauteile aus optischen Gründen zu polieren/verdichten, wenn gleich sich Schmutz auch einfacher festsetzen könnte. Ich spielte jeden einzelnen Arbeitsschritt im Motor durch, guckte auf die einzelnen Komponenten dabei und wie sie miteinander harmonieren. So etwas ergibt eine Sinfonie der Abläufe im Kopf.

Doch was blieb waren vor allem die Gedanken an das Triebwerk und der feste Glaube, dass Ducati wohl an diesem Motor arbeiten würde. Es ist eben doch der Einzylinder, den ich immer wieder sehr mag. Und eben das Triebwen an sich, das für mich über allem anderen zu stehen scheint, wenn ich selbst meinen eigenen Träumen glauben schenken soll.

Das war meine Nacht und ein kleiner Einblick in die Gedankenwelt dieser. Vielleicht war es auch einfach nur wegen dem frisch bezogenen Bett. Meine Gedanken brauchten Auslauf, wollten Spaß, wollten das tun, was sie am liebsten haben. Außer Sex, denn ich wachte eben ohne Motor und doch nur alleine auf.