Sie sagt, er denkt, sie kämpft, er lacht

Da kommst‘ aus deiner Dusche, hüpfst noch fix in deine weiss-grüne Boxershort, dein schwarzes Unter-T-Shirt und das dazu passende schwarze Parkballer-Shirt, schmierst dir etwas Gel in die Haare, damit sie dir nicht vor den Augen rumhängen, läufst zum Kleiderhaufen der letzten Nacht und denkst dir, ob man die Hose noch mal anziehen kann. Kann man, doch wohl fühlt man sich irgendwie nicht drin. Runter damit und einen Blick auf den Kleiderständer, der Gedanke „Verdammt, das Pelle-Ding doch nicht gewaschen!“ kommt dir in den Kopf, du gehst zum Kleiderschrank.

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Deine Vorahnung erwartet nur Hosen, die du bestenfalls noch zuhause anziehen würdest, die du in deinen Wünschen schon lange einfach in den Müll geschmissen hättest, auch wenn sie eigentlich noch Okay sind. Dann trifft dich, wie immer, der Schlag, denn du findest Hosen, die du schon gar nicht mehr kanntest, die du wohl schon mal angezogen hattest und sogar solche, die noch ihre Etiketten tragen. Du entscheidest dich für die, an der du nicht erst noch mit einer Schere rumhantieren musst, weil du genau weißt, dass du mit einfachem Abreißen sowieso irgendwas zerstörst. Sei es nur der Fingernagel, den du zuvor im Bad vergessen hattest zu schneiden.

Den Schrank durchwühlt, drei Hosen in der Hand und für die Pierre-irgendwas und eine Joop entschieden. Die Joop scheidet schnell aus, sie ist offenbar nagelneu, kein Wunder, passt sie doch irgendwie nicht über den Hintern. Rein damit in den Schrank und die Hoffnung stirbt zuletzt, rein in die Pierre-irgendwas. Sie passt, sogar recht gut. Du fragst dich, wieso du sie nicht schon mal viel früher aus den Schrank zogst, doch irgendwas muss wohl gewesen sein. Jetzt noch den Gürtel aus der Southpole gezerrt und in die Pierre-irgendwas gefriemelt. Du denkst daran ob die Schuhe bei der Hose Okay aussehen, hast du doch am Samstag an deinen Boots mal eben die Schnürsenkel abgerissen und dich dabei fast selbst ausgeknockt.

Sie passen und die Krokotreter sehen dazu gar nicht mal so übel aus. Das Handy vermeldet, dass du deinen Hintern zur Arbeit bewegen solltest. Du schiebst die neue STREET in den Rucksack, packst den Laptop, die beiden externen Platten und den Cardreader auch noch ein. Dann rennst du mit deinem Rucksack in die Küche, wirfst dir noch eine Dose Thunfisch, einmal Frischkäse/Hüttenkäse und eine Flasche Volvic rein. In der Tür fällt dir ein, dass du ja noch Kinder-Schoko-Croissants hast, du läufst zurück, reißt die Verpackung auf und schnappst dir zwei. Auf der Treppe stopfst du sie mit in den Rucksack.

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Die ersten Schritte auf der Straße sagen dir, dass die Hose offenbar einen dünneren Stoff hat, denn du merkst die Umgebungsluft, du fühlst dich nackt. Du überlegst ob die Hose irgendwelche Löcher hätte, du denkst dass du sie vielleicht deswegen niemals getragen hättest, doch du weißt, dass du danach als erstes gucktest, als du sie aus dem Schrank nahmst. Selbst ein weiterer Check beim gehen erbringt keine ungewöhnlichen Öffnungen, es muss wohl der Stoff sein oder weil sie dir so nah kommt. Egal, das iPhone in die Hand und die Musikauswahl getroffen. Dienstagmorgen, fühlt sich an wie Montags, die Laune ist gut – du entscheidest dich für Drowning Pool, stellst etwas lauter, gehst zur Haltestelle und schiebst dir noch ein tropisches 5-Gum zwischen die Beißer.

„Komisch, im Bus sitzen nur 4 andere Menschen – müssen wohl noch Ferien sein. Die Schweine.“ denkst du, und setzt dich in die erste Sitzgruppe, platzierst wie immer deinen Rucksack neben dir, nutzt ihn als Armlehne und wirfst einen Blick in die Stern-App. Zwei Haltestellen weiter setzen sich zwei Mädels zu dir. Die eine wie aus dem Ei gepellt, die andere auch – nur getoastet. Du interessierst dich dafür was SIE wohl für Themen haben, stellst mal kurz die Musik aus und lauschst ihren Worten. Du wunderst dich über welche blaue Jacke sie reden, beim nächsten Blick nach unten fällt dir auf, dass du eine blaue Jacke trägst. Dein Blick wandert schlagartig auf sie. Du hörst weiter zu und bemerkst wie sie über Trends reden, was gerade aktuell sei, was mal gar nicht mehr geht und was wohl totaler Trash ist.

Dein erster Gedanke sagt dir, dass ihnen am Wochenende wohl jemand die InStyle oder Vouge vorgelesen habe, doch du willst wissen was sie weiter äußern, wenn du auch am liebsten jetzt auf Six Feet Under im Player switchen würdest. Sie reden und reden, doch es kommt nichts bei raus. Sie gucken dich an, reden, grinsen und denken du blickst ins leere, bist in deine Musik vertieft, doch dabei hörst du jedes Wort, saugst es auf und überlegst dir deine nächsten Schritte. Du tust es, ohne dir über die Konsequenzen im Klaren zu sein. Du fragst sie spöttisch, ob sie jetzt die neuen Style-Beraterinnen aus Klein Ding-Dong-Trallala seien, die meinen aus der Werbung bei Germany’s Next Topmodel mutiert nun die Welt verbessern zu wollen. Sie versuchen sich zu rechtfertigen, wollen irgendwie versuchen ihre Meinung & Ehre zu retten, doch du lachst nur, du kannst dir dein hämisches Grinsen nicht verkneifen, stellst deine Musik an und richtest deine Blicke auf die Saar, die aufgehende Sonne und hübsche, dich anlächelnde Fahrradfahrerin neben dir.

  • 4neunundachtzig

    sehr schön geschrieben!