Unverhofft vergesslich aus dem Bett gedübelt

Kein Tag ist wie der Vorherige, ganz sicher auch nicht dieser. Das erste mal war ich mitten in der Nacht wach, irgendwas weckte mich – doch es war kein Albtraum oder auch kein Feuerwehr-Wagen, was war es dann? Ich vernahm irgendwelche Laute, dachte mir nichts bei und schlief wieder ein. Um 5:41 Uhr wieder wach. ‚Super‘ dachte ich, 9 Minuten vor meinem Wecker. Na da geht ja noch ein Power Nap, doch wieso wurde ich überhaupt wach? Die Antwort kam ungefähr 1 Minute später, als ich – ich nenn’s einfach mal ‚Brunftschreie‘ verschiedener Geschlechter, vernahm. Okay, das war’s wohl, das weckte mich wohl auch mitten in der Nacht. Damn. Der Power Nap war nun sowieso nicht mehr möglich, also im Bett liegen bleiben und auf den Wecker warten. Wie gewöhnlich auch dort schnell den Schlummern-Button gedrückt und nach der Fernbedienung gegriffen. Wenigstens die 9 Minuten MTV2HD muss ich mir noch geben. Ich hätte es doch lieber sein gelassen, es liefen die Scissor Sisters – ein Traum zum wach werden, ein Albtraum.

[ad#ad-1]

Es war inzwischen 6:04 Uhr, ich war schon vier Minuten überfällig – doch die holte ich locker wieder auf. Über mir wurde offenbar noch immer gedübelt, genagelt, bloß nicht das Do-It-Yourself-Buch durchgesehen. 25 Minuten, kurze Pause inklusive Erfrischungsraum-Aufenthalt. Ich wünschte mir, ich stünde selbst lieber schon unter der Dusche. Doch dort ging’s nun endlich hin. Wieder draußen, Klamotten anziehen, schnell das MacBook, die beiden Festplatten und den Schlüsselbund in den Rucksack gestopft. Oh, im Schrank ist auf die Schnelle kein zusagendes Shirt aufzufinden, naja im Trockenraum wird wohl noch was sein. In der Zwischenzeit wunderte ich mich was Chris denn schon wach ist, sogar schon am Geschirrspüler war und jetzt im Bad abhängt. Komisch. Ich hörte wie er raus kam und rief ein ‚Mojin‘ durch den Flur. Er kam zur mir und fragte verlegen ob ich denn auch schon ungewöhnlich früh wach wurde. Ich grinste und meinte nur: ‚Ja, so vor circa 20 bis 30 Minuten‘ (Es war natürlich inzwischen eine Stunde her; Denken Andi, denken.) … kurzum endete unsere Unterredung mit: ‚Mitten drin statt nur dabei!‘ und lautem Gelächter.

Oben war’s inzwischen auch ruhig. Vielleicht hörte man unser Lachen. Egal. Auf zur Haltestelle, am Eingangstor noch einen kurzen Blick zur Seite riskiert und siehe da, neben dem schicken Audi steht nun auch noch ein nettes Cabrio. Doch nicht verhört oder geträumt, wir beide nicht. Der überliche Blick auf’s iPhone was die Uhr sagt. 2 Minuten vor meiner Zeit, 6:45 Uhr. Was höre ich heute auf dem Weg? Ich entschied mich für die Toten Hosen, gestern waren es die Red Hot Chili Peppers, dann dürfen heute mal wieder die Hosen ran. An der Haltestelle die übliche Langeweile, auf Mails checken hatte ich keine Lust – es war einfach zu kalt. Aber eine neue Mülltonne war montiert. In Schwarz, nachdem die Orange gestern offenbar abgefackelt und mit reichlich Löschmittel versehen sich auf dem Boden breit machte. Wo bleibt die 125, es ist kalt.

Im Bus auch wieder das übliche Prozedere. Ticket kaufen, blöd angeguckt werden, irgendwo hinsetzen wo meine Mauken hinpassen, den Rucksack neben mir als Armlehne platzieren, das iPhone aus der Bauchtasche am Kabel rauskramen und erst mal die Mails der Nacht checken. Spätestens danach folgt die Stern, Focus, Serienjunkies oder irgendeine andere Newsapp. Im Bus sitzen die üblichen Verdächtigen, die üblichen Mädels und natürlich auch die üblichen Alten, die einen fragend ansehen was man denn bitte so ewig am Handy rumfummelt. Ich fummle nicht, ich lese Nachrichten – anstatt hier nur stumpf im Bus mich umzusehen, um nach neuen Tags ausschau zu halten und mich innerlich aufregen. Endlich am Hansahaus, raus aus der Kiste, über die Straße und vorbei am Bäcker – von dem es heute mal kein Käse-Brötchen (ohne Margarine/Butter, grrrr) gibt, schließlich soll das Gewicht runter. An der zweiten Haltestelle angekommen, inzwischen 7:08 Uhr und 7:14 Uhr kommt erst der nächste Bus. Genug Zeit um sich wie jeden Morgen umzusehen. Da kommt sie schon, pünktlich wie immer, eine attraktive Mitreisende mit großen Kopfhörern und nie um einen Blick verlegen. Gegenüber im Park steht eine alte Frau mit einem Beutel in der Hand, klar ihr großer Hund hat auch die Nacht hinter sich. Sie bringt den Beutel zur nächsten Mülltonne, auf dem Weg trifft sie zwei andere Leute, sie müssen sich kennen – der Hund freut sich und sie grüßen sich beim Abschied sichtbar. Ihr entgegen kommt ein Mann mit Hut, Aktenkoffer und braun-glänzendem Trenchcoat. Ich muss an Blade denken, dann kommt mir Max Payne in den Sinn und schließlich fährt ein neuer Seat Ibiza an mir vorbei. Er lenkt meine Gedanken auf den Ibiza Ecomotive, über den ich schon einige Tage nachdenke und ob der was für mich wäre.

Auf der andere Seite eine Berufsschulschülerin. Sie sieht etwas älter als der Durchschnitt aus, hat lange dünne Beine, trägt Chucks, eine enge, dunkelblaue Jeans, eine schwarze Jacke und guckt kurz zu mir rüber. An mir stapfen Schulkinder auf dem Weg zum Gymnasium vorbei. Ich erkenne eine wieder, sie guckt mich an wie sie es immer macht. Doch was will sie von mir? Ich gucke weg, betrachte die H&M-Werbung neben mir, auf der jemand dem Model einen Pillemann malte. Lustig, sieht aus wie aus einem Comic. Tauben wandern durch die Haltestelle, picken 10 Zentimeter neben meinem Fuß etwas auf und verschwinden wieder. Wann kommt endlich der Bus, wann ist die 101 endlich da? Nachdem die 123 und die 121 ihre Fracht entluden und neue aufnahmen kommt auch die 101 angebraust. Ich laufe schon mal den Fussweg runter, der Bus fährt sowieso wieder ein Stückchen weiter. Wieder ein Blick von der attraktiven Musikhörerin. Sie geht neben mir und ich lasse sie vor mir einsteigen; sie setzt sich mir gegenüber, guckt mich gespannt an, ich lese News.

Ich denke darüber nach was heute alles auf dem Plan steht. Eine Doppelseite mit Text füllen – also rund 4 bis 5 Seiten in Word tippen. Noch eine Doppelseite mit Bildunterschriften füllen und ein Logo zusammenstricken. Ich denke an meine Kamera, sie liegt noch auf Arbeit. Mir fällt wieder ein, dass ich mit Kay auch noch ein paar Bilder machen muss. Das wird, klappte bisher immer. In dem Moment läuft von den Toten Hosen das Lied ‚Fliegen‘. Ich liebe es, mache etwas lauter, gucke auf das iPhone – doch sehe keinen Text, verschwinde in den Song.

Ich schwöre, ich kann fliegen,
denn mein Herz ist gar nicht schwer.
Es gibt nichts, das mich am Boden hält,
die Schwerkraft wirkt nicht mehr.

Keine Liebe, kein Gefühl,
kein Gewicht, das mich nach unten zieht.
Ich lasse alles los, was um mich ist,
ganz egal, was auch geschieht.

Es ist nichts mehr in mir,
ich bin endlos leer.
Ich fliege weit weg von hier
und finde mich nicht mehr.

Völlig schwerelos in meinem Körper,
aufgelöst im Hier und Jetzt,
treibe ich mit der Strömung
unbewegt im Nichts.

Ohne Regeln und Gesetz,
ohne zu atmen und zu sein,
schwebe ich durch Raum und Zeit,
zwischen Traum und Wirklichkeit.

Es ist nichts mehr in mir,
ich bin endlos leer.
Ich fliege weit weg von hier
und finde mich nicht mehr.

Ich kann fliegen.
Ich kann fliegen.
Ja ich kann fliegen.
Ich kann fliegen.

Es gibt kein Heute, es gibt kein Morgen,
Gestern ist schon lange her.
Wie eine Wolke ziehe ich vorüber
und ich spüre keinen Schmerz.

Es ist nichts mehr in mir,
ich bin endlos leer.
Ich fliege weit weg von hier
und finde mich nicht mehr.

Ich kann fliegen.
Ich kann fliegen.
Ja ich kann fliegen.
Ich kann fliegen.

Endstadion, bei der Arbeit angekommen. Ich ziehe meine Köpfhörer raus, gucke wie spät es ist. 7:31 Uhr, noch 5 Minuten Fußmarsch und den Rechner samt Festplatten anschließen. Ich stelle meinen Rucksack auf dem Stuhl ab, da kommt mir ein Gedanke: Habe ich das (Ober-)T-Shirt überhaupt eingesteckt? Der Blick in die Tasche verrät: Damn, zuhause auf dem Schreibtisch!

  • tObI

    so ungefähr sieht es bei mir freitagfrüh auch aus, das ganze geht bei mir nur leider von 5:27 (strassenbahn)/ 7:50 ankunft im bildungstempel,