Urlaub in Valencia – 3. & 4. Urlaubstag

Am 31.07.2009, nein nicht der Weltuntergang, aber in etwa genau so dramatisch: Andi hat Geburtstag, Andi wird wieder ein Jahr älter. (…aber lange nicht erwachsener!)

Also wenn ich nicht unbedingt einen Kalender gehabt hätte und Sarah mich morgens dran erinnerte, wäre mir nicht so recht in den Sinn gekommen dass mein Geburtstag war. Doch spätestens der Blick auf den Rechner mit den Grüßen, dann hätte es mir gedämmert. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich mich über jede SMS gefreut habe – auch wenn ich sie nicht bekommen habe. Ich ließ das Handy nämlich den gesamten Urlaub über aus, denn ich war mir nicht sicher inwiefern meine E-Mails und anderen Datendienste die Telekom-Rechnung ins unermessliche treiben. Auf dem Rückflug sagte Sarah mir dann das SMS scheinbar nur zwei Tage vorgehalten werden und danach verfallen – anstatt zugestellt zu werden. Doof gelaufen, große Entschuldigung an die lieben Gratulanten !!

Also was taten wir: Wir waren am Strand, haben die Kameras im Hotelzimmer gelassen und uns so richtig schick die Pelle verbrannt. Der Tag am Strand tat uns gut, den Wellen gelauscht und viele Stunden im richtig warmen Mittelmeer verbracht. Wellen gab es kaum welche oder zumindest nur recht kleine, aber kein Grund nicht seinen Spaß im Wasser zu haben!

Später, als ich mit einem Handtuch über dem Kopf auf meinem Badetuch (bei mir eher ein Chinatuch) lag, Sarahs Liegestätte mit meiner Hand erkundete, sie nicht vorfand und dennoch beruhigt weiter liegen blieb, erschrak ich schlagartig, als etwas verdammt kaltes auf meinem Rücken lag. Es kann wohl kaum Sarah sein, dachte ich mir. Doch sie war es, setzte sich neben mich nieder und regte sich gleich ein wenig auf – denn ich bewegte nicht mal meine gleichgültige Flosse in Richtung der kalten Substanz auf meinem Rücken. Es war ein Eis, mein Geburtstagseis! So war sie, lieb wie sie nun mal ist, in der Gluthitze der valencianischen Steppe losgelaufen und hatte am wohlmöglich heißesten Tag der Menschheitsgeschichte ein kaltes, leckeres und zugleich nicht sandiges Vanille-Schokoladeneis mit Knusperraspeln beschafft. Ein kein-Traum!

Gegen Abend haben wir uns dann wieder auf den Rückweg in Richtung Hotel gemacht – dieses mal mit dem richtigen Umstieg. Im Hotel angekommen ging es direkt unter die Dusche, den elendigen Sand aus und abwaschen. (Hätte nie gedacht wie viel Sand man so ansammeln kann, sollte Liebherr an mich dran schreiben.)

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Abgewaschen, frisch bekleidet und deodoriert ging es ins Einkaufszentrum – wir wollten endlich mal zum Spanier essen gehen. Raus kam ein Mexikaner. Leckeres Essen in gusseiseneren Pfannen und dazu ein paar Taco-Scheiben. Für meinen (und sogar Sarahs) Geschmack ein bisschen zu wenig, wenn auch wirklich lecker. (Übrigens kann man ja wohl Cola trinken wenn alle anderen Wasser trinken, kann das Corona der Freundin austrinken wenn es ihr nicht mehr schmeckt und erst recht „Wraps“ mit den Händen anstatt mit Messer und Gabel essen – oder muss man unbedingt Irgendjemanden damit beeindrucken wie raffiniert man mit ein bisschen gestanztem Blech und einer eiskalten Miniaturausgabe einer Wasserfalsche agieren kann?!)

Wir kaufen ein … falsch … Sarah geht mit Andi shoppen, denn welcher Spanier trägt schon dreifach Large und findet dann noch etwas im SSW? – Es ist unser fünfter Urlaubstag, der erste Tag im Monat August 2009, einen Tag nach Andis Geburtstag.

Sarah wollte einen Tag zum shoppen haben, wieso auch nicht dachte ich mir. Erst war ihr Vorschlag am letzten Tag des Urlaubs die Läden unsicher zu machen, doch wir zogen es vor – waren einfach zu krebsig nach unserem Strandtag. So ging es heute ins El Saler, einer der hiesigen Einkaufstempel.

Heute wieder mit Kamera, jedoch ohne Rucksack – dazu war die Haut einfach noch nicht bereit. Im Fahrstuhl den Auslöser gedrückt ging der Tag so richtig gut los. Draußen, auf Valencias Straßen bollerten wieder die reaktiven Teilchen und wir stampften zum Shoppingcenter auf der anderen Seite des Jardines del Turia. Dort angekommen und die Brillen ins Haar geschoben rannten wir in klimatisierter Umgebung von Laden zu Laden, von H&M zu C&A, von Disney zu Jennyfer.

Disney & Jennyfer – zwei grandiose Beispiele. In beiden Läden ließen wir ein paar Euro, im einen für ein Plüschtier für Sarah (Tigger von Winnie Puh) und einen Magneten für Andis Kühlschrank in SB (einen Vogel aus UP! (in Deutschland im Kino als „OBEN“ bekannt), der jedoch eigentlich von zwei Wall-E-Magneten begleitet werden sollte, doch diese wurden mir egozentrischer weise Seitens Sarah streng untersagt [Frechheit!]). Im anderen Laden, Jennyfer, bekam Sarah gleich ein paar Kleidungsstücke geschenkt. Leider kam die Verkäuferin nicht Sarahs Wunsch nach ihr auch noch einen Kleiderbügel zu schenken oder zu verkaufen (Man bräuchte diese… ja echt?!) – denn darüber hätte sich Sarahs beste Freundin in Deutschland (Jennifer aka Jenny) wohl sehr gefreut. Am Ausgang passierte dann das, was einen in Deutschland wohl dazu veranlassen würde am liebsten durchsichtig zu werden oder mindestens unter der Erdoberfläche sich bewegen zu können. Es ging der Pieper los, der Ausgang und die Alarmanlagen fingen an zu kollabieren – doch die Spanier juckte dies nicht die Bohne. Gerade mal ein älteres Ehepaar blickte zu uns, aber scheinbar auch nur weil ihre Bank direkt vor unseren Füßen stand und wir wohlmöglich interessanter als der Marmor am Boden waren. Schuld daran war die Verkäuferin, hatte sie einfach nicht vom Gürtel Sarahs Kleid den Schutzchip entfernt. Doch nicht nur die Spanier nahmen dies gleichgültig hin, Sarah und mich ließ das mindestens genau so kalt wie der Tag heiß war. Was sollte auch sein, die Kreditkarte rasselte schon lange durchs Gerät und die Quittung war im Beutel (und gekauft hatten wir eh alles was in Sarahs Garderobe mitgenommen wurde), dementsprechend lustig waren auch unsere Gesichtsausdrücke. Der Verkäuferin war es dennoch peinlich. Tja… in Deutschland dem Kunden wohl auch.

Die Pieper sind doch auch eine kurze Anmerkung wert, ist es doch unvorstellbar wie oft sie in dem Shoppingcenter los gingen, während wir Ben&Jerrys-Eis-lutschend auf einer Bank saßen und das bunte Treiben beobachteten und für uns selbst kommentierten.

Essen gab es ebenfalls im Tempel, wieder beim Amerikaner – dieses gab es auch in diesem Tempel der Geldtransferzentrale. Heute aber ein wenig viel bestellt, nämlich Pommes mit Gauda überbacken (für Beide), Kartoffelhälften mit Schinken & Käse überbacken (für Sarah) und einen schnieken Hawaii-Burger mit Pommes (Doppelpommes, doppelt zu viel – für Andi). Wieder recht lecker für gar nicht mal soviel Geld, Bingo.

Abends ging es zum Strand, wir wollten endlich Fisch essen oder spanisches Essen auf unseren Tellern sehen. Die Promenade abgelaufen entschieden wir uns für einen Laden, dort saßen wenigstens schon mal ein paar Menschen rum (wieso nur ohne Essen auf dem Tisch?).

Die erste Bedienung konnte kein Wort Englisch, aber das ist ja nichts Neues und eigentlich auch völlig Okay (finde ich zumindest, sind ja in Spanien und nicht in GB). Nach den Getränken bediente uns scheinbar ihre Tochter, sie konnte jedenfalls recht gut die nicht auszusprechende Sprache. Das erste was Sarah der Bedienung auf der Karte zeigte sei saisonabhängig und wohl gerade nicht zu haben, soviel verstanden wir. Dann fragte Sarah nach der Soße von einem Gericht, fragte jedoch versehendlich nach der Sausage, was natürlich nicht Soße sondern Wurst hieß – dies gipfelte in den ersten großen imaginären Fragezeichen. Ich beruhigte die Lage ein wenig und sagte: „Wird wohl schon essbar und nicht aus Zwiebeln gemacht sein…“.

Dann bestellten wir uns einen anderen Fisch. Sarah irgendwas, was den Anschein einer frittierten Scholle machte und ich Shellfish, das Gehirn vollständig frei gemacht und nicht ahnend was mich nun erwarten würde. Shell, man denke an den nicht ganz unbekannten Mineralölkonzern und dessen Logo. Naja…

Das erwartete mich nun (zu diesem Zeitpunkt hatte ich immer noch nicht erkannt was ich mir nun bestellt hatte) … an kam ein Teller mit sechs großen Muscheln und irgendwas Weißem im Inneren. Roch jedenfalls unerträglich nach einem vergammelten Fischkutter oder einer Hand voll Seetang. Ich riss mich dennoch zusammen und probierte ein Stückchen. Das erste Stück ging noch, ich kaute – Okay, zäh wie roher Tintenfisch, geschmacklich weit von weg, noch erträglich – und vermeldete: „Geht so, schmeckt nicht wie es riecht!“ … kurze Zeit und ein paar Briesen später das nächste Stück … Ich rang mit dem Brechreiz und sagte zu Sarah: „Gott ist das widerlich, das ist noch ekelhafter als es riecht oder mindestens genau so widerlich!!!“

Sarahs Fisch machte einen besseren Eindruck. Zwar relativ hell aus der Fritteuse zurück, aber das muss ja noch nichts heißen. Ein paar Quadratenzentimeter abgegrast und meine Story im Ohr und Blick machte sich Sarah an die obere Hälfte des Fischs. Hier hieß es eher: Außen durch, innen roh! Nach einer nur ca. 1,5 mm dicken weißen Schicht, folgte das rohe Fischfleisch. Dem nicht genug und von der noch vorhanden Flosse nicht sowieso schon ziemlich angeekelt fuhrwerkte sie mit ihrem Messer und der Gabel im Fisch umher und fand die ebenfalls rohen Innereien und ein wenig Blut auf ihrem Teller wieder. Nicht gerade appetitlich und auch nicht gerade zum Verzehr geeignet.

Es mag ja sein dass man Lachs und anderen Fisch auch im rohen Zustand genießen kann, ich gehöre schließlich auch zu diesen Menschen, die das genießen, doch das hier ging eindeutig zu weit. In der Zwischenzeit hatte ich meinen Teller reklamiert und war mir bewusst das ich das nun mal bestellt hatte und somit auch bezahlen muss, wollte den Teller jedoch einfach nur los werden, denn der Gestank kochte langsam aber stetig in mir hoch (und ich bin wahrlich nicht so einfach zu beeindrucken). Die Kellnerin schnappte den Teller und wanderte ab, kam jedoch kurze Zeit später wieder damit an und stellte ihn erneut auf unseren Tisch doch nicht ohne mir mitteilen zu wollten, dass ich diesen zahlen muss – schließlich hatte ich es angefangen zu essen und zubereitet wurde es ja auch. Ganz klar, so ist es – doch ich wollte ihn weg haben weil der so abartig widerlich stinkt, so oder noch etwas direkter teilte ich es ihr auch mit und schon war ich endlich davon erlöst. Ohne Speise und ziemlich genervt saß ich nun da, während Sarah von ihrem Unheil in diesem Moment noch nichts ahnte. Also bestellte ich etwas neues, ließ mir jedoch vorher erklären was ich nun bekommen würde. Eine Suppe … gut, das versuche ich. Was kam war ein Abendbrotsteller mit Salamischeiben und vertrocknetem Baguette. Ich ließ es hinstellen, ich dachte nur noch dran wie verdammt schlecht dieser Laden sei und genoss die 8 Euro teuren Salamischeiben auf trockenem Supermarktbrot.

Nach etwa der Hälfte meiner atemberaubenden Speise kam es dann zum Höhepunkt unseres kulinarischen Ausflugs auf die Müllkippe. Sarah entdeckte ihre Mängel und das Leck im Fisch, sie rief die Kellnerin. Von uns genervt wackelte sie mit ihrem Teller samt Besteck von Dannen. Ich war pappe satt und ein wenig in rage, da kam doch allen Ernstes die erstgenannte sprachunbegabte Bedienung, pappte Sarahs Teller ohne Besteck auf den Tisch und mir blieb die Supermarkt-Edelsalami samt Keksen im Halse stecken. Es war ihr angegessener Fisch, frisch aus der wiederentdeckten Fritteuse gefischt. Nun war es ganz vorbei, das Besteck konnten sie auch gleich behalten – wir fragten gar nicht erst mehr danach, wir wollten einfach nur die Rechnung haben und schnell weg von diesem verwunschenen Ort.

Die Rechnung setzte dem Reigen noch sein wohl eher unleckeres Sahnehäubchen auf, denn dieser war zu entnehmen, dass wir nun noch mal fix 1 Euro fürs nachfrittieren blechen sollten. Wir blechten es und verzogen uns. Sarah tat unsere Kellnerin noch etwas leid, ich hingegen musste mich ziemlich beim gehen zusammenreißen auf ihr „Sorry“ nicht mit „Fuck off!“ zu antworten. Es war immerhin das bisher teuerste Essen unseres Urlaubs und das mit Abstand grässlichste. Ein Traum, ein Albtraum!

Danach gab’s Frustessen beim Italiener um die Ecke. Für mich wieder ein Teller Meeresfrüchte und für Sarah nichts, sie war satt vor Ekel. Ich zog mir einen Tintenfischring, eine Gambas und eine Sardine nach dem anderen genüsslich rein. Ein Traum, ein durchaus leckerer!