Wie die Zeit doch vergeht. Meine Erfahrungen mit dem Internet.

Irgendwie kam ich vor ein paar Stunden auf die Idee nach einer alten Homepage von mir zu suchen. Gar nicht so einfach, wenn man diese irgendwann mal verkauft hatte und mein Nachfolger damit unterging. Dies führte dazu nach meiner Allerersten zu suchen. Leider hat selbst das Webarchive diese nicht einmal mehr im Angebot.

Egal, das war im Mai oder Juni 1998 und bei der STRATO AG. Erst einmal so etwas wie ein Blog, nur in HTML-Form. Zu der Zeit programmierte ich in der Schule mit Turbo Pascal und „unterrichtete“ meinen EDV-/IT-Lehrer in HTML. Zugegebenermaßen waren wir über die Schule sehr froh, hatten wir immerhin Computer und mussten nicht nur Hauswirtschaft lernen. Den Anfang machte dabei ein IT-Raum, der unters Dach des hohen, alten Schulgebäudes gepflanzt wurde. Dort gab es einen Rechner mit Modem und alle anderen, ich schätze heute so 10 PCs hatten ungefähr 100 MHz und sogar schon eine grafische Oberfläche. Wenn man es nicht schon konnte, durfte man sich in Paint und so etwas wie Office austoben. Ich fand Programm-Code irgendwie cooler und durfte auch am Surf-Platz sitzen.

Nach den üblichen Sprüngen vom Vor-386, 386 auf 486 kam erst einmal lange nichts, außer der 133 MHz-PC im Büro meiner Familie. Das war ein alter Bank-Rechner und ich kann mich noch an das schwarze, sehr langsame Modem erinnern. Das war noch vor 56K. Später kam auch ein 56K-Modem und meine Erinnerung an sehr weiße Webseiten hinzu. Wirklich viel verstanden habe ich davon zwar nicht (war ja alles auf Englisch), aber ich war im Netz. Okay, das war jetzt ein Sprung zurück in der Timeline.

Wie gesagt, zu Hause kam lange nichts Neues, außer ein ISDN-Anschluss und später eine 233- oder 266-MHz-MMX-Kiste. Das war schon ziemlich cool, doch meine Tante hatte einen schnelleren Rechner und während meine Mutter zum Kaffeetrinken ging, spielte ich Rennspiele auf eben jener Maschine. Dann kauften meine Eltern etwas, auf das ich ewig hinnervte und als Familien-PC deklariert wurde: einen Pentium 3 mit 667 MHz und CD-Laufwerk. Verdammt, mit CD-Laufwerk! Als Bildschirm musste zwar erst einmal weiterhin meine 386-13- oder 15-Zoll-Gurke herhalten, doch die zeigte schließlich auch Bomberman schon recht gut an.

Allerdings gab’s in dem Teil nur ein 56K Modem, doch der Unterschied zum ISDN war für mich nicht groß, eher für meine Eltern, die ab und an gerne mal telefonieren wollten. Der Telefonrechnung war es ebenfalls wurscht, die schnellte sowieso in ungeahnte Höhen. Ich kann man noch dran erinnern, dass meine Mutter sehr spät einmal sagte, ich hätte 30 DM zum surfen im Monat frei – zu der Zeit war ich aber schon bei rund 60 DM und es war noch nicht einmal die Mitte des Monats erreicht.

Den Rechner hatte ich noch ziemlich lange, wenn ich mich nicht irre sogar bis ins Jahr 2003 oder 2004. Er lief halt und ob ich nun Programmzeilen auf 1,8 GHz oder 667 MHz tippen würde, war mir recht egal. Okay, ganz so egal nicht, denn auf ihn folgte ein selbst zusammengeschraubter AMD XP1800+. Da packte mich auch das Overclocking. Die Schrauberei fing allerdings mindestens genau so früh an, wie, dass ich Motoren von Mopeds und Karts frisierte, oder eher kaputt fuhr und selbst reparierte. Dort war allerdings mein Vater als KFZ-Meister der große Lehrer, bei den PCs hatte in der Familie keiner Ahnung. Besser für mich, Neuland rockt.

An zwei Sachen kann ich mich beim 667-MHz-Rechner noch besonders erinnern. Einmal, dass mir der Lüfter der Grafikkarte kaputt ging, mich der Verkäufer im Laden dumm anguckte und anmachte, was ich kleiner Vollspacken denn bitte über IT-Zeugs quatsche, wo ich doch lieber mal meine Handschrift üben sollte – er sich von mir aber anhören durfte, dass ich verdammt noch mal einen Lüfter einzeln bräuchte und schon recht genau wüsste, wie man das Teil umbaut. Schlussendlich kaufte ich in einem anderen Laden eine NVIDIA TNT2, das dumme Gesabbel wollte ich mir nicht noch einmal anhören müssen. Heute ist das Gegenteil der Fall, die Nerds sind aus den Läden oder ihre Läden verschwunden und an jeder Ecke lauern Profis die einem Transistoren als Treiber verkaufen wollen.

Das vergleichsweise teuerste Bauteil, und damit auch der zweite Gedanke zum 667-MHz-Rechner, war das CD-Laufwerk. Ich hatte es geschafft ein paar DM zur Seite zu packen oder hatte es irgendwo her, keine Ahnung mehr. Jedenfalls gab’s noch einen anderen PC-Laden auf dem Weg zur Schule. Ich guckte mich gerne drin um, verkaufte er nicht nur coole Ballerspiele, sondern auch gebrauchte oder spezielle PC-Hardware. Eines Tages ging ich nach der Schule mit einem Freund zu ihm und verlangte einen 2-fach-CD-Brenner. Es müssen 650 D-Mark gewesen sein, die ich auf den Tisch legte und mit stolzgeschwellter Brust aus dem Geschäft nach Hause stolzierte. Der Brenner war in einer weißen, dünnen Kunststofftüte gefangen, wie man sie heute nur noch für Obst verwendet. Das weiß ich noch genau. Scheiße, war ich stolz auf das Teil und brannte erst einmal einige ziemlich teure Rohlinge für meine Schulkameraden und meinen Onkel.

Zurück zur Schule. Dort hatten wir in einem anderen Gebäude noch einen Computer-Saal, in dem andere Kisten standen. Die Abgänger belächelten sie, doch als ich sie das erste Mal sah, war ich hin und weg. Es waren Apple Macintosh genannte Systeme. Sie wurden 1984 vorgestellt und standen nun in unserer Schule rum. Ich fand sie gleich super, wenn ich mit der Marke auch herzlich wenig anfangen konnte. Die Anderen fanden das Display bzw. die Röhre viel zu winzig und das System viel zu lahm und spielten lieber Snake (oder was auch immer das damals war). Ich schrieb schon wieder Code. Mir gefiel die Kiste halt sehr.

In der Grundschule hatten wir auch schon ein paar Rechner stehen. Allerdings mehr stehen, als ein Rechner. Noch befeuert mit riesigen 5,25-Zoll-Disketten und Ladezeiten im Schulstunden-Format. Doch wen juckte das schon. Wir waren nur eine Hand voll Kinder und unsere Lehrerin wollte uns nach der regulären Schulzeit etwas Gutes tun. Ich finde das hat sie, sonst wäre ich heute niemals in dieser Position – wenn es mich nicht wirklich wegen dem IT-Know-how nach Saarbrücken verschlug.

Ein paar Jahre später fusionierte unsere Schule mit einer anderen. Besser gesagt, übernahm unsere Schule die bestehende, alles wurde modernisiert und die EU förderte unseren neuen IT-Saal. Leider fielen dem die tollen Apple-Kisten zum Opfer. Dafür gab’s nun rund 30 16 neue Rechner, von denen jeder ans Internet angeschlossen war – sobald der Lehrer Golden-Eye gestartet und den Switch freigegeben hatte. Schnell durfte ich den Observer-Platz entern und die Mitschüler beraten und prüfen. Das war im IT-Kurs, in dem wir besagtes Turbo Pascal programmierten. Eine tote Sprache, doch wieso nicht, mir machte sie wieder Spaß. Wir fingen an immer weiter in die Materie einzutauchen. Während die Mädels und Spacken das Internet erkundeten, schrieb ich ein paar „Anwendungen“ und lies mir dabei über die Schulter blicken.

Mir machte es Spaß den Anderen meine Ideen für den Code offen zu legen und zu erklären wieso ich welchen Weg ging. Heraus kam später mal eine andere „Killpoint-Pong-Anwendung“, damals nannte ich sie allerdings „Ball-Ball-X“. Das X war meine Art zu zeigen, dass es unbestimmt wäre, wann der „Untergang“ stattfinden würde. Es würde jetzt aber zu weit gehen meine Idee hinter diesem Micro-Game zu erläutern. Jedoch stellte dies den endgültigen Wendepunkt dar. Ich durfte zeigen was ich kann.

Was ich zu der Zeit konnte, war besagtes Turbo Pascal und HTML. Auf den Trichter mit HTML kam ich nicht durch den heimischen oder den Internetzugang in der Schule, sondern durch mein Tafelwerk. Ganz am Ende gab es einen gelben Bereich, der ein bisschen etwas über HEX, Binär, Bit’s und Byte’s und eben HTML hergab. Das fixte mich an, mir das mal genauer anzusehen. Wenn ich bis dahin Lehrbücher eher lästig fand, gegebenfalls eher so schnell wie möglich durchhaben wollte, mochte ich das Tafelwerk doch sehr. Noch heute habe ich sowohl in meinem Rollcontainer auf Arbeit, wie auch im Bücherschrank zuhause jeweils ein Tafelwerk stehen.

Aus dem Unterricht für Schüler und Lehrer wurde endgültig mein Spaß zu Hause. Das Turbo Pascal-Buch wurde ins Regel geräumt (wo es noch heute in meiner großen Schrankwand im Haus meiner Mutter steht) und von nun an stand HTML auf dem Plan. Wenn ich nicht in der Werkstatt stand und an Motoren oder Mopeds für mich und meine Freunde schraubte, oder mit Tobi, David, Marco, Fabi, Frank, Jessi, Jessy, Jenny oder Annika irgendwo oder auch in der Werkstatt abhing, schrieb und bastelte ich an Webseiten. Oftmals bis tief in die Nacht oder bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir entweder das Modem-Kabel weggenommen wurde oder ganz drastisch auch mal die Sicherung raus gedreht wurde.

Auf meiner allerersten Homepage ging’s um mich. Darauf folgte eine über Webdesign, dann eine für unsere Tischlerei und im selben Atemzug eine für und über Counter-Strike. Etwas später baute ich mit Fabi an Maps für die CS/HL-Engine oder designte mit ihm auch 3D-Modelle von allen möglichen Dingen die uns einfielen. Diese schreiben wir damals in die ersten größeren, deutschen Grafik-Foren. Zu meiner eigenen Dummheit muss ich gestehen, denn Jahre später fand ich durch Zufall PC-Lautsprecher die haargenau wie unsere Entwürfe Jahre zuvor aussahen. Ich konnte es dummerweise nur nicht mehr nachweisen, da inzwischen das Forum nicht mehr existierte und die Bilder, Maps und all der andere Stuff einem miesen Platten-Crash zum Opfer fiel. Leider war dies auch nicht der letzte Crash dieser Art, zwei weitere sollten bis heute noch folgen – doch das ist eine andere Geschichte.

Zur Schulzeit jobbte ich auch einmal bei einem PC-/Bürosysteme-Geschäft die auf Server-/Netzwerk- und Drucker-/Kopierer-Technik spezialisiert waren. Neben einigem Wissen über Treiber, Server und PCs der damaligen Zeit lernte ich vor allem wie Drucker aufgebaut sind und wie man diese aufbaut. Ein Landratsamt kann wahrlich große Kopier-/Druckmaschinen im dritten Stock haben. Man glaubt gar nicht wie viele Paletten dies füllen kann, bis man es hochgetragen, aufgebaut und angeschlossen hat. Aber es machte mächtig Spaß, wenn’s auch keinen einzigen Pfennig einbrachte.

Als ich vor Jahren in Saarbrücken anfing, erlebte ich wenige Monate später die Erstveröffentlichung von WordPress. Damals sagte mir die Software allerdings keineswegs zu, experimentiert habe ich trotzdem. Mich interessierte zu dieser Zeit TYPO3 doch deutlich mehr. Schon komisch wie sich die Zeit auch ändert, denn heute fasse ich TYPO nur noch ungern an und nutze, wenn es ein CMS benötigt, immer WordPress. Gut, dass ich die Software doch niemals ganz von der Platte verdrängte.

So war das damals (sehr grob) bei mir. Von diesem Zeitpunkt an war ich im Netz, es ließ mich bis heute nicht mehr los und ich habe weit über 1.000 eigene Domains durch selbiges geschleift. Einige Webseiten konnte ich verkaufen, andere interessierten mich später selbst nicht mehr und einige waren schlichtweg kein Erfolg. Doch es brachte viel Erfahrung, kostete allerdings auch einen netten neuen Marken-Kleinwagen über die Jahre hinweg, zumindest wenn ich einzig von den privaten Unternehmungen oder besser gesagt, Tests ausgehe. In den letzten Jahren drehte sich dies ziemlich. Vielleicht ist die experimentelle Zeit vorbei? Ich glaube es nicht, denn noch heute gibt’s da über 100 persönliche Adressen, dutzende Test-Blogs und von der Firma möchte ich gar nicht erst anfangen. Es hat mich zwar nicht reich gemacht, doch ehrlich gesagt bin ich über das Wissen und über die Erfahrungen auch sehr, sehr froh.

  • :) Hast du schön geschrieben und die Zeit vergeht wie im Flug! Andere Computer fand ich damsl auch immer toller als unseren eigenen… bis ich mir dann auch mal meinen eigenen zulegte. Natürlich bin ich da nicht so ein Nerd wie du, doch stolz wie ein Kleinkind war ich auch als ich ihn das erste mal in den Händen hielt!

    • Stolz war ich auch immer, sehr sogar. Immerhin war ich wohl auch der Erste in der Familie, der mit einem PC auch mehr konnte – wie nur Rechnungen und Briefe schreiben. :)

      Und meinen 386er habe ich sehr geliebt. Der war sogar noch von Peacock … nur irgendwann ist er über Nacht gestorben.

  • Tobi

    wo hast du denn die bilder her von der schule,
    weisst noch wie wir colin mcrae und co gezockt haben…

    • Oh ja! Musste ich den Tag erst dran denken. Ich sag nur Rallye Finnland und Rallye Frankreich. Gib mir Alphalt. Ich weiß auch noch, dass du nach einer ganzen Saison mit gerade einmal 1,3 Sekunden vorne lagst und ich ein wenig ausgetickt bin. *lach*

      PS: Oder, als ich eine 2l Flasche Krümeltee hatte, sie mir aus der Hand flutschte und ich keinen Tropfen abbekam, du aber die halbe Flasche? ;)

  • Tobi

    mir fallen auch noch so einpaar dinge.
    z.b. wo ich die rally strecken immer auswendig gerlernt habe wenn du vor mir gefahren bist, oder die lustigen basketballkarten im zweiten schubfach oder als ich mal von der schaukel gefallen bin.. usw usw…. oder die leckeren nikotin-gummismileys bei vogts…..

    • Und ganz ehrlich… die Gummitiere fehlen. Nicht unbedingt die Tiere, sondern ihr Aroma. Wenn ich heute mal ein kleines Care-Paket bekomme ist es enttäuschend und befremdlich.

      PS: Sega Game Gear!